ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2002Orthopädie: Kniegelenk - Stufenplan für Knorpelläsionen

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Orthopädie: Kniegelenk - Stufenplan für Knorpelläsionen

Dtsch Arztebl 2002; 99(28-29): A-1986 / B-1714 / C-1594

Leinmüller, Renate

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Der häufigste Grund für eine Kniegelenkerkrankung ist – nicht nur bei Sportlern – der Verschleiß des Gelenkknorpels. Foto: Sulzer Orthopedics
Der häufigste Grund für eine Kniegelenkerkrankung ist – nicht nur bei Sportlern – der Verschleiß des Gelenkknorpels. Foto: Sulzer Orthopedics
Patienten mit größeren Knorpelveränderungen am Knie werden immer jünger, die Prophylaxe von Gonarthrosen deshalb immer wichtiger. Meniskus-Regeneration und Knorpel-Knochen-Transfer sind dabei zwei relativ neue Methoden, mit denen ein Fortschreiten der Knorpelschäden bis zur Arthrose vielleicht zu vermeiden, zumindest aber hinauszuschieben ist. Fortschritte hinsichtlich der Haltbarkeit sind auch bei uni- und bikondylären Knieendoprothesen zu verzeichnen, wobei die korrekte anatomische Einpassung und Achsausrichtung durch Navigationssysteme deutlich erleichtert werden.
Seit 2000 ist die Meniskusregeneration zugelassen, bei der ein „Platzhalter“ – ein Implantat aus Rinderkollagen – als Leitschiene für die Neubildung von Meniskusgewebe dient. Im gegenläufigen Prozess wird das Implantat resorbiert und nach etwa einem Jahr ist der Meniskus regeneriert. Die Methode wird bei Patienten angewandt, bei denen ein Teil des Meniskus entfernt werden musste.
Dr. Christian Liebau kombiniert sie in Greifswald bei begrenzter Arthrose manchmal auch mit der autologen Knorpel-Knochen-Transplantation, um – speziell bei jungen Patienten – das endoprothesenfreie Intervall zu verlängern. Wie der Referent bei einer Veranstaltung der Firma Sulzer Orthopedics in Wiesbaden darlegte, ist die Knorpel-Knochen-Transplantation für umschriebene, nicht fortgeschrittene Läsionen (fokal maximal 2 x 2,5 cm) in der Hauptbelastungszone geeignet. Dabei werden in der Defektzone Knorpel-Knochen-Zylinder ausgefräst und mit Stanzen aus wenig belasteten Zonen „aufgefüllt“.
Liebau überblickt inzwischen 250 Patienten im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, wobei zu zwei Drittel degene-rative und einem Drittel posttraumatische Knorpelläsionen vorlagen. Eine weitere Indikation stellt die Osteochondrosis dissecans dar. Wichtig für den langfristigen Erfolg ist neben der Korrektur der Beinachse eine Rearthroskopie nach vier bis sechs Monaten, um eine Synovialitis an den Entnahmestellen zu beseitigen. Die Erfolgsrate nach vier Jahren liegt nach Angabe von Liebau bei mehr als 90 Prozent; nur in sechs Fällen konnte der Ausgangszustand nicht verbessert werden.
Ist im eigenen Kniegelenk nicht genügend Spendermaterial außerhalb der Belastungszonen vorhanden oder die Arthrose sehr weitreichend, ist die Schlittenprothese bei einseitigem Befall eine Option. Minimalinvasiv über einen sieben Zentimeter langen Hautschnitt implantiert, stehen diese Schlittenprothesen in der Haltbarkeit den kompletten Prothesen kaum nach, erklärte Dr. Christian Grüner (Gießen). Die Liegedauer von zwölf Tagen (in Italien drei Tage) und der verringerte postoperative Schmerz erlauben eine schnelle Rehabilitation.
Erst im Endstadium der Arthrose mit generalisiertem Befall des gesamten Kniege-lenks werden heute bikondyläre Oberflächenprothesen eingesetzt, besonders bei Patienten im Alter von mehr als 60 Jahren. Nach Ausführungen von Prof. Wolfram Neumann (Magdeburg) sind die Probleme mit Lockerung und Materialermüdung deutlich vermindert worden. Mit dem Natural-Knee®-System beispielsweise sind in einer prospektiven randomisierten Studie bei 176 Patienten im Alter von durchschnittlich 65 Jahren über zwölf Jahre zu 99,1 Prozent keine Lockerungen im Femur und zu 99,6 Prozent keine Lockerungen in der Tibia dokumentiert.
In 93,4 Prozent der Fälle musste nicht revidiert werden, in zwei Fällen kam es zu Inlayveränderungen. Angesichts dieser guten Haltbarkeit hält Neumann den Einsatz des Systems auch bei jungen Rheumatikern für möglich. Einen weiteren Fortschritt verspreche die neue Endoprothese, die mit Durasul® ein hoch quervernetztes Polyethylen als Kunststoff enthält, der – nach den Erfahrungen im Hüftbereich – resistenter gegen Alterungserscheinungen ist.
Wichtige Zusatzinformationen (etwa bei der Achsausrichtung) und eine klare Hilfe bei der korrekten Platzierung von Implantaten und Prothesen auf der Tragachse liefern computergestützte Navigationssysteme. Besonders bei schwer deformierten oder zerstörten Gelenken geben sie dem Operateur mehr Sicherheit, erklärte Dr. Alois Franz (Bendorf). Neben dem CT-basierten NavitrackTM bietet Sulzer Medica jetzt auch eine CT-freie Variante an. Dr. Renate Leinmüller
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