ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2002Krankenhäuser: Abwärtsspirale

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Krankenhäuser: Abwärtsspirale

Dtsch Arztebl 2002; 99(30): A-1997 / B-1685 / C-1581

Clade, Harald

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LNSLNS Seit Jahren kommen die Bundesländer ihrer Einstandspflicht zur Finanzierung der Krankenhausinvestitionen nicht mehr nach. Dies ist ein zusätzliches Hemmnis bei der Einführung der diagnosebezogenen Fallpauschalen auf der Basis von Diagnosis Related Groups (DRGs).
Mit Recht hat der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, anlässlich der letzten Sitzung des Bundesrates vor den parlamentarischen Sommerferien gerügt: „Viele Krankenhäuser und ihre Einrichtungen verkommen immer mehr zu maroden Bauten, in denen moderne Medizin immer weniger möglich sein wird. Wenn die Länder jetzt nicht ihrer Verantwortung gerecht werden, wird sich die Versorgung der Patienten schon in naher Zukunft drastisch verschlechtern. Deshalb appelliert die Bundes­ärzte­kammer an die Länder, endlich ihren Beitrag zu leisten, damit die Versorgung der Patienten in den Krankenhäusern nicht in eine Abwärtsspirale gerät.“
Die Investitionsquote aller zugelassenen Krankenhäuser ist von 1972 bis zum Jahr 2000 im Bundesdurchschnitt von 17 auf neun Prozent gesunken. Dieser Anteil, der ursprünglich 33 Prozent betragen sollte, ist ein Indiz dafür, dass die Dualistik einen Investitionsstau auslöst und die Finanzierungsmechanik immer mehr zur abgeschwächten Finanzierungsdualistik zulasten der Krankenkassen abdriftet. 1975 stellten die Länder noch 7,35 Milliarden DM für Klinikinvestitionen zur Verfügung; dieser Betrag reduzierte sich im Jahr 2001 auf rund 6,63 Milliarden DM. Nach Prognosen müsste das Investitionsvolumen zulasten der Länderetats künftig auf zehn bis 12,5 Milliarden Euro jährlich aufgestockt werden, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Jedenfalls können mit den derzeitigen Investitionskosten die sich kurzfristig abzeichnenden Strukturänderungen und die Umstellung bei der Finanzierung nicht bewältigt werden. Allein um den Ist-Zustand eines Krankenhauses zu erhalten, müssten jährlich sechs Prozent seines Substanzwertes investiert werden. Aber selbst diese Mindestinvestitionen werden schon seit Jahren nicht mehr aufgebracht, sondern im Durchschnitt nur noch 1,5 Prozent. Schlechte Voraussetzungen also, um die vermuteten Rationalisierungsreserven zu mobilisieren und die Krankenhäuser fit zu machen. Dr. rer. pol. Harald Clade
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