ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2002Krankenpflege: Gesetzentwurf im Bundesrat

AKTUELL

Krankenpflege: Gesetzentwurf im Bundesrat

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Mehr Kompetenzen für die Pflege? Foto: Peter Wirtz
Mehr Kompetenzen für die Pflege?
Foto: Peter Wirtz
Bundes­ärzte­kammer und Krankenhausgesellschaft üben Kritik am Gesetzentwurf der Regierung.

Der Bundesrat beriet am 12. Juli über den Gesetzentwurf der Bundesregierung über die Neuordnung der Berufe in der Krankenpflege, mit dem das Krankenpflegegesetz aus dem Jahr 1985 abgelöst werden soll. Laut Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium berücksichtigt der Gesetzentwurf neue Anforderungen in der Pflege, verbessert die Qualität der Ausbildung und steigert die Attraktivität der Pflegeberufe. Der neue Ansatz in der Pflege, der außer der kurativen Pflege auch die Gesund­heits­förder­ung, die Prävention und die Rehabilitation umfasst, soll bereits in den Berufsbezeichnungen Gesundheits- und Krankenpfleger/in, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in zum Ausdruck kommen – Sprachneuschöpfungen, die von der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) kritisiert werden. Das Berufsbild der Krankenpflege ändere sich nicht in einer Weise, dass eine neue Berufsbezeichnung notwendig sei, merkt die DKG an. Die Ausbildung in den Pflegeberufen soll künftig auf eine gemeinsame Grundlage gestellt werden, von der aus eine Differenzierung in allgemeine Krankenpflege und Kinderkrankenpflege erfolgt. Die Überschneidungen in den Ausbildungen in einem Umfang von rund 80 Prozent kritisiert die BÄK als viel zu weitgehend. Ein eigenständiges Profil der Kinderkrankenpflege sei so kaum noch möglich. Die DKG sieht hier bereits die Weichen gestellt für eine künftige generalistische Ausbildung aller Pflegeberufe – in einem hoch differenzierten Gesundheitssystem bedürfe es jedoch vielmehr einer Schärfung des Profils der jeweiligen Pflegeberufe.
Auf starke Vorbehalte der BÄK stößt die Definition eines Kernbereichs pflegerischer Tätigkeit, der von den Berufsangehörigen eigenständig, ohne Beteiligung von anderen Berufsgruppen, ausgeführt werden kann. Einer solchen Loslösung der pflegerischen Maßnahmen von der ärztlichen Behandlung könne unter dem Aspekt der Gesamtverantwortung des Arztes für die Gesundung des Patienten nicht zugestimmt werden. Die BÄK fordert deshalb, das im geltenden Krankenpflegegesetz festgeschriebene Kooperationsgebot auch in den neuen Gesetzestext wieder aufzunehmen. Anderenfalls drohe eine stärkere Diversifizierung der Verantwortungsbereiche anstelle einer wünschenswerten gegenseitigen Abstimmung.
Sowohl BÄK als auch DKG wenden sich gegen die vorgesehene Erhöhung des theoretischen Anteils der Ausbildung zulasten der praktischen Ausbildung in den Krankenpflegeberufen. Die Krankenhäuser – so die DKG – würden mit einer immer weniger auf ihre Belange zugeschnittenen Ausbildung konfrontiert. Dies werde zu erheblicher Verunsicherung führen und zwinge die Ausbildungsträger zu einer kritischen Überprüfung der bisherigen Ausbildungsbereitschaft.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema