ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2002Politisch korrekte Bühne
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LNSLNS Dass die Welt-Aids-Konferenzen nicht nur medizinische Kongresse, sondern auch politische Veranstaltungen sind, erkennt man schon an der Struktur. Programm und Sitzungen werden paritätisch von Wissenschaftlern und Aktivisten geplant und geleitet. Ein Ziel hat die Konferenz in Barcelona zumindest erreicht. Die medienwirksame Veranstaltung wurde von reichen Philantropen und Politikern als Plattform für politisch korrekte Auftritte in der Weltöffentlichkeit genutzt. In Barcelona vertreten waren beispielsweise die Kaiser Familiy Foundation (sie sponserte eine tägliche Online-Berichterstattung), das Open Society Institute (Träger des International Harm Reduction Development Program’s) des amerikanischen Wagnis-Finanziers George Sorros sowie die Bill and Melinda Gates Foundation. Bill Clinton und Bill Gates sprachen auf der Abschlussveranstaltung, und die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul gab am Rande der Tagung eine kleine Pressekonferenz. Die Auftritte der Politiker trieben mitunter auch seltsame Blüten. So „outete“ sich der frisch gebackene indische Gesundheitsminister Sharugan Sinha als national bekannter Filmstar, der zwar seit 30 Jahren das indische Publikum auf der Leinwand verzaubert, aber völlig inkompetent im Thema HIV ist. Aids sei für ihn kein Wahlkampfthema, sagte er in Barcelona, aber er würde seine gute Beziehungen zur indischen Filmindustrie einsetzen, um die Aufklärung voranzutreiben. Dr. med. Ramona Volkert

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