ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2002Politisch korrekte Bühne

POLITIK

Politisch korrekte Bühne

Dtsch Arztebl 2002; 99(30): A-2013 / B-1701 / C-1597

Volkert, Ramona

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Dass die Welt-Aids-Konferenzen nicht nur medizinische Kongresse, sondern auch politische Veranstaltungen sind, erkennt man schon an der Struktur. Programm und Sitzungen werden paritätisch von Wissenschaftlern und Aktivisten geplant und geleitet. Ein Ziel hat die Konferenz in Barcelona zumindest erreicht. Die medienwirksame Veranstaltung wurde von reichen Philantropen und Politikern als Plattform für politisch korrekte Auftritte in der Weltöffentlichkeit genutzt. In Barcelona vertreten waren beispielsweise die Kaiser Familiy Foundation (sie sponserte eine tägliche Online-Berichterstattung), das Open Society Institute (Träger des International Harm Reduction Development Program’s) des amerikanischen Wagnis-Finanziers George Sorros sowie die Bill and Melinda Gates Foundation. Bill Clinton und Bill Gates sprachen auf der Abschlussveranstaltung, und die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul gab am Rande der Tagung eine kleine Pressekonferenz. Die Auftritte der Politiker trieben mitunter auch seltsame Blüten. So „outete“ sich der frisch gebackene indische Ge­sund­heits­mi­nis­ter Sharugan Sinha als national bekannter Filmstar, der zwar seit 30 Jahren das indische Publikum auf der Leinwand verzaubert, aber völlig inkompetent im Thema HIV ist. Aids sei für ihn kein Wahlkampfthema, sagte er in Barcelona, aber er würde seine gute Beziehungen zur indischen Filmindustrie einsetzen, um die Aufklärung voranzutreiben. Dr. med. Ramona Volkert
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema