ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2002Patientenverfügungen - Kein „Sterben in Würde“: Ärztlicher Paternalismus

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Patientenverfügungen - Kein „Sterben in Würde“: Ärztlicher Paternalismus

Dtsch Arztebl 2002; 99(30): A-2024 / B-1712 / C-1608

Dehmel, Susanne

zu dem Beitrag von Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Zieger et al. in Heft 14/2002
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LNSLNS Ein derart ungeschminktes Plädoyer für ärztlichen Paternalismus und die Rückkehr zu voraufklärerischen Haltungen, nach denen es vor allem die anderen sind, die wissen, was für den Patienten gut ist, hat man selten gelesen. Ganz so, als gäbe es jene bisweilen zwanghaft anmutende, ärztlich angeordnete Lebens- beziehungsweise Sterbeverlängerung um jeden Preis gar nicht und als wären die „seelenlose Apparatemedizin“ ebenso wie der „Halbgott in Weiß“ eine böse Mär, werden hier Patienten, die sich das Recht herausnehmen, nicht nur mitsprechen, sondern gar selbst über ihr Leben und Sterben entscheiden zu wollen, dargestellt als beziehungslose, selbstfixierte Individuen.
Was einer unter seiner „Autonomie“ und „Würde“ zu verstehen hat, ist den Autoren zufolge Verhandlungssache und wird „erst durch die Fürsorge für den anderen konstituiert“, und die Verfasser von Patientenverfügungen sind überfordert, weil sie die Tragweite von Befürwortung oder Ablehnung bestimmter Maßnahmen am Lebensende oft „nicht übersehen können“. Mal ganz abgesehen davon, dass es Aufgabe des Mediziners ist, dem Patienten eben diese Tragweite verständlich zu vermitteln und ihm so eine Entscheidungsbasis zur Verfügung zu stellen: Hier werden Patientenverfügungen diabolisiert und als einseitige Aufkündigung einer solidarischen Haltung und Zurückweisung menschlich-sozialer und medizinischer Fürsorge absichtlich missinterpretiert. Warum? Vielleicht weil eine Stärkung der Patientenrechte den Machtbereich der Ärzte, die im Tod nach wie vor eine gravierende Niederlage sehen, einschränken könnte? . . .
Susanne Dehmel,
Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS), Lange Gasse 2–4, 86152 Augsburg
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