ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2002Patientenverfügungen - Kein „Sterben in Würde“: Andere Schlussfolgerung

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Patientenverfügungen - Kein „Sterben in Würde“: Andere Schlussfolgerung

Dtsch Arztebl 2002; 99(30): A-2025 / B-1749 / C-1626

Borasio, Gian Domenico

zu dem Beitrag von Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Zieger et al. in Heft 14/2002
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LNSLNS Im palliativmedizinischen Konsiliardienst am Klinikum der Universität München spielt bei etwa jedem fünften Konsil das Thema „Vorsorge durch Vorausverfügung“ eine Rolle. Bei circa zehn Prozent der Konsile werden eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung erstellt, wobei die Beratungszeit zwischen einer und vier Stunden liegt. Als Grundlage dient die im Mai 2001 vom Bayerischen Justizministerium herausgegebene Vorsorge-Broschüre, die von einer Gruppe von Juristen und Ärzten unter organisatorischer Leitung der Akademie für Palliativmedizin in München erarbeitet wurde. Patienten, Angehörige und Kollegen sind mit diesem Angebot sehr zufrieden. Die tägliche Praxis im Umgang mit diesem Instrument bei Palliativpatienten lässt folgende Schlüsse zu:
« Gerade bei Patienten mit einer zum Tode führenden Erkrankung bestehen oft Ängste und Unsicherheiten in Bezug auf die Terminalphase, die zum Teil auf der Furcht vor dem „Ausgeliefertsein“ im Falle einer Entscheidungsunfähigkeit beruhen. Das Lindern dieser Ängste ist ein wichtiges palliativmedizinisches Ziel. Für viele Patienten ist die Abfassung einer Vorsorgevollmacht und/oder einer Patientenverfügung ein wirksames Mittel.
¬ Die Rolle der Angehörigen kommt vor allem im Primat der Vorsorgevollmacht zum Tragen. Dieses Dokument spielt in unseren Beratungen die wichtigste Rolle, zum einen wegen seiner eindeutigen rechtlichen Verbindlichkeit, zum anderen, weil seine Erstellung den Dialog zwischen Patient und Angehörigen über die Wünsche für die Terminalphase voraussetzt und damit oft eine positive psychosoziale Auswirkung hat.
­ Patientenverfügungen werden bei unseren Beratungen immer gemeinsam mit Patient, Angehörigen und behandelnden Ärzten erstellt. Sie ersetzen nicht die fürsorgliche Arzt-Patienten-Beziehung, sondern sind konkreter Ausdruck derselbigen. Sie entspringen einer Ethik des Dialogs, welche als Ziel hat, die – individuell höchst unterschiedlichen – Notwendigkeiten und Ansprüche der Patienten an Autonomie- und Fürsorgeprinzip zu erkennen und, so weit möglich, gemeinsam zu verwirklichen.
Die Broschüre steht im Internet unter www.justiz.bayern.de zum Herunterladen zur Verfügung.
Priv.-Doz. Dr. med. Gian Domenico Borasio,
Interdisziplinäre Palliativmedizinische Einrichtung,
Klinikum der Universität München,
Marchioninistraße 15, 81377 München
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