ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2002Patientenverfügungen - Kein „Sterben in Würde“: Adieu, Herrgott in Weiß

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Patientenverfügungen - Kein „Sterben in Würde“: Adieu, Herrgott in Weiß

Dtsch Arztebl 2002; 99(30): A-2025 / B-1749 / C-1626

Kruse, Jürgen-Ulrich

zu dem Beitrag von Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Zieger et al. in Heft 14/2002
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LNSLNS Schade, schade, schade – das DÄ, schriftliches Aushängeschild meiner Standesorganisation oder „Wachtturm“ für Ideologien? Darf hier so sektiererisch gegen den Glauben der Mitmenschen gewettert werden? Stellen elf Prozent der Bevölkerung eine Minderheit dar, die man ohne Skrupel beiseite wischen kann?
Sehr geehrter Herr Kollege Zieger (die Anrede „geehrt“ ist mir übrigens sehr ernst!), sollte das Schicksal Sie oder Ihre gleichgesinnten Mitstreiter in prekärer Situation in meine Obhut bringen: ich werde Ihre Meinung ehren und mich mit ganzer Kraft und vollem Einsatz bei jedem Handgriff für Sie und Ihr Patiententestament (als solches betrachte ich Ihren Beitrag) einsetzen. Dies ist für mich eine Selbstverständlichkeit!
Aber: Ich dränge Sie, mir die Gewissheit zuzusichern, dass Sie im umgekehrten Falle auch meine wohldurchdachten Wünsche zur Kenntnis nehmen, diese akzeptieren und sie mit gleicher Kraft und all Ihrem medizinischen Wissen umsetzen. Dass ich nicht zu Ihren 89 Prozent, sondern eben zu den restlichen elf Prozent der Befragten gehöre und auf mein Recht, keine Lebensverlängerung zu wünschen, ganz ausdrücklich poche, ist mein Grundrecht! Meine Beziehung zu Gott, mein Ethikverständnis (sic!) will gerade nicht eine konkrete Entscheidung delegieren, sondern im Moment meiner Schwäche Sie von der Vorherrschaft Ihres Glaubens zu einer partnerschaftlichen Arzt-Patienten-Beziehung zurückleiten.
Mein Appell also: Jeder sollte ein Patiententestament schreiben und uns Ärzten eine Hilfe geben, die eigenen Zweifel (und die habe ich in 23 Jahren als Mediziner bei jedem Todkranken auf die Probe stellen müssen) ein wenig zu lindern. Die Entscheidung im jeweiligen Moment wird, rechtlich nur ungenügend fassbar, immer aufs Neue ein schwerer Kampf mit sich selbst bleiben. Adieu, Herrgott in Weiß, willkommen, Freund im weißen Kittel!
Dr. Jürgen-Ulrich Kruse,
Schildsteinweg 32 a, 21339 Lüneburg
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