ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2002Patientenverfügungen - Kein „Sterben in Würde“: Ich werde weiter dafür werben

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Patientenverfügungen - Kein „Sterben in Würde“: Ich werde weiter dafür werben

Dtsch Arztebl 2002; 99(30): A-2026 / B-1750 / C-1627

Rummelein, Anna

zu dem Beitrag von Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Zieger et al. in Heft 14/2002
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LNSLNS . . . Seit dreißig Jahren besuche ich alte Menschen in Heimen, auch in der letzten Lebensphase. Meine Mutter starb im Altenheim so, wie sie es in der Patientenverfügung gewünscht hat, nicht mehr behandelt, aber betreut, gepflegt und liebevoll begleitet. Ich konnte, anders als in einem Krankenhaus üblich, fünf Tage und die letzten Nächte bei ihr sein. Viele alte Menschen jedoch sterben immer noch qualvoll. Die zitierte „empathische ärztliche Sterbebegleitung“ findet nicht statt, und das Pflegepersonal hetzt sich ab, um die nötige Versorgung korrekt zu erbringen.
Mir sind in den vielen Jahren die 89 Prozent nicht begegnet, die eine Lebensverlängerung wünschen. Alte Menschen betteln manchmal geradezu um „Sterbehilfe“, lassen sich oft nur schwer davon überzeugen, dass „Euthanasie“ nicht sein kann und nicht sein darf und auch nicht gewünscht werden sollte.
Im DÄ steht, dass 79,3 Prozent der Ärzte eine Patientenverfügung für „sehr wichtig“ halten. Also werde ich weiterhin im Altenheim und im Bekanntenkreis dafür werben, die eigenen Wertvorstellungen zu bedenken und niederzulegen und nicht darauf zu vertrauen, dass die „Ethik, die fürsorgliche und solidarische Begegnung zweier Menschen“, ihnen dann begegnet, wenn sie am bedürftigsten sind. „In Mode gekommen“ sind Patientenverfügungen doch gerade deshalb, weil die Fortschritte der Medizin so viel möglich machen – und damit auch so viel technische und bürokratische Arbeit anfällt, dass Empathie zum kaum vorstellbaren Luxus geworden ist. Vermutlich auch für die rund 20 Prozent Ärzte, denen eine Patientenverfügung suspekt erscheint.
Mein Lebensende und das der Menschen, die mir am Herzen liegen, möchte ich schon lieber an den eigenen Werten und nicht am Sozialethos eines Arztes ausgerichtet wissen.
Anna Rummelein,
Böcksteiner Straße 39, 81241 München
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