ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2002Jobs im Ausland: Auslandsjob-Börse ist nur Ventil, nicht Ursache

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Jobs im Ausland: Auslandsjob-Börse ist nur Ventil, nicht Ursache

Dtsch Arztebl 2002; 99(30): A-2033 / B-1721 / C-1617

Breitmeier, Oliver

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LNSLNS . . . Das Problem, Herr Dr. Simmel, das Sie bei der Besetzung der Ärztestellen in Nordbayern haben, kommt nicht von der Auslandsjob-Börse der Ärztekammer Hamburg, sondern von den sattsam bekannten katastrophalen Arbeitsbedingungen in deutschen Krankenhäusern.
Mein ehemaliger Oberarzt hat unser Krankenhaus in Lingen immer mit der DDR verglichen: Überbordende Bürokratie, diktatorische Vollmachten für eine kleine Clique, leere Phrasen von Qualitätskontrolle und Mitarbeiterbeteiligung und vor allem die absolute Unwilligkeit, auch noch so berechtigte Kritik ernst zu nehmen. Dieses deutsche Krankenhauswesen ist reformunfähig, „und in seinem Lauf hält es weder Ochs noch Esel auf!“. Jahrelang wurden die Ärzte gegängelt und immer mehr ausgebeutet, und wer dagegen Einspruch erhob, der wurde umgehend aus dem Krankenhaus „ausgebürgert“. Diesen Ärzten „weinte niemand eine Träne nach“. Doch dann begann die große „Abstimmung mit den Füßen“. Die kritischen Ärzte, die oft die fähigsten waren, entflohen in zunehmender Zahl der unmenschlichen Arbeitssituation in andere Sparten oder ins Ausland. Und da wird es nichts nutzen, jetzt eine Mauer um Deutschland zu bauen, getreu dem Motto: Deutsche Ärzte müssen in Deutschland arbeiten. Die Auslandsjob-Börse ist nur das Ventil, nicht die Ursache für den Exodus.
Die Krankenhäuser bekommen jetzt endlich die Quittung für die jahrelange Demotivierung ihrer ärztlichen Mitarbeiter. Genau darin liegt aber auch eine Chance für gute Krankenhäuser: Wer Arbeitsbedingungen schafft, in der ärztliches Arbeiten wieder Spaß macht, der wird garantiert keine Probleme mit dem Ärztemangel haben . . .
Dr. med. Oliver Breitmeier, Weißdornring 36, 49740 Haselünne
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