ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2002Depressive Störungen bei Patienten der Allgemeinmedizin: Miteinander wichtig

MEDIZIN: Diskussion

Depressive Störungen bei Patienten der Allgemeinmedizin: Miteinander wichtig

Dtsch Arztebl 2002; 99(30): A-2056 / B-1740 / C-1636

zu dem Beitrag Früherkennung und therapeutische Ansätze von Priv.-Doz. Dr. med. Hermann Ebel Dr. med. Karl Beichert in Heft 3/2002
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LNSLNS „Vor Hausärzten sei gewarnt! Hütet euch vor der Allgemeinpraxis, zumindest dann, wenn ihr Depressionen habt.“ Diesen Eindruck muss der Leser gleich zu Anfang gewinnen. Immerhin, so heißt es, werden bis zu 75 Prozent aller Fälle vom Allgemeinarzt nicht richtig diagnostiziert, 75 Prozent aller Depressionen bleiben unbehandelt und nur bei 15 Prozent erfolgt eine medikamentöse antidepressive Therapie und dies nur in 7 Prozent aller Fälle in adäquater Dosierung. Woher die Zahlen kommen, auf welchen Studien sie beruhen, wie sie gewonnen wurden, bleibt offen. Der Facharzt für Allgemeinmedizin ist scheinbar nicht der richtige Ansprechpartner.
Dies ist umso unverständlicher, da, wie gerade die letzten Umfragen ergeben haben, mehr als 90 Prozent aller Patienten einen Allgemeinarzt primär aufsuchen, und mehr als 80 Prozent mit ihm zufrieden sind. Und wie sieht es aus mit den anderen im hausärztlichen Bereich tätigen Fachärzten, zum Beispiel mit den hausärztlich tätigen Fachärzten für Innere Medizin oder für Pädiatrie, die ebenfalls im hausärztlichen Bereich tätig sind, und depressive Patienten behandeln? Sind sie genauso „schlecht“, oder genauso „gut“, wer hat dies eigentlich alles untersucht? Und wie sieht es aus mit den Fachärzten für Psychiatrie, was deren Qualität betrifft? Auch hier sei die Frage erlaubt, wurde dies schon einmal untersucht? Wo steht dies?
Dass das Problem der Depression ein Problem besonderer Art in der
Praxis darstellt, dass auch Mängel existieren, soll in keinster Weise heruntergefahren werden. Wenn dies so ist, bedarf es systematischer Verbesserung in der Ausbildung, Weiterbildung und Fortbildung und nicht der geradezu polemischen Polarisierung, wie dies in diesem Artikel geschieht. Wenn so ein Themengebiet bearbeitet werden muss, müssen beide Seiten sich zu Wort melden, der Facharzt für Allgemeinmedizin, der aus seinem Gebiet berichtet, und der Facharzt für Psychiatrie, der aus seinem Gebiet berichtet, damit beide Seiten ihre Besonderheiten darstellen und beide Seiten gemeinsam die Brücken definieren und aufzeigen, die beschritten werden müssen, um die Qualität zu verbessern und die Versorgung der Patienten zu sichern. Genauso wenig wie sich ein Facharzt für Allgemeinmedizin über zum Beispiel die psychiatrische Versorgung in Deutschland auslassen darf, ohne die darin
bestehenden Besonderheiten zu berücksichtigen und fachkompetente Vertreter zu hören, sollte es in Zukunft unterbleiben, dass Gebietsärzte aus ihrer Sicht über das Gebiet der Allgemeinmedizin dozieren, deren Besonderheiten und Probleme, deren Möglichkeiten und Grenzen sie gar nicht kennen, leider Gottes sich auch meist gar nicht bemühen, diese kennen zu lernen. Wenn diese Form der Non-Kommunikation verbessert werden könnte, wäre ein Riesenschritt zum besseren Verständnis, zur Kollegialität im eigentlichen Sinne getan, von der Verbesserung der Versorgung der Patienten ganz zu schweigen.
Was dann kommt im weiteren Artikel ist eine sehr schöne Zusammenstellung, eine sehr schöne Propädeutik, die zu lesen allen Ärzten jeglicher Fachrichtung nur anzuraten ist.
Am Ende noch ein wahres Wort: „Essenziell ist eine gute interdisziplinäre Kommunikation und Abstimmung . . . .“ Da muss noch viel getan werden!

Prof. Dr. med. Hans-Dieter Klimm
Ringstraße 20 f
76456 Kuppenheim

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