ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2002Depressive Störungen bei Patienten der Allgemeinmedizin: Hoher Betreuungsbedarf ungünstig

MEDIZIN: Diskussion

Depressive Störungen bei Patienten der Allgemeinmedizin: Hoher Betreuungsbedarf ungünstig

Dtsch Arztebl 2002; 99(30): A-2057 / B-1746 / C-1557

Fischer, Henning

zu dem Beitrag Früherkennung und therapeutische Ansätze von Priv.-Doz. Dr. med. Hermann Ebel Dr. med. Karl Beichert in Heft 3/2002
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LNSLNS Es ist ja schon lange Mode, irgendwelche Defizite zu beklagen (Schmerztherapie, Diabetikerbetreuung et cetera), sodass man den Eindruck gewinnen muss, die vertragsärztliche Versorgung bestehe nur aus Defiziten. Und natürlich werden diese Defizite meist bei den Allgemeinärzten gefunden, die ja auch das breiteste Spektrum
an Krankheitsbildern versorgen müssen. Ich frage mich aber schon, wie man festgestellt haben will, dass Allgemeinärzte angeblich so häufig Depressionen übersehen: Hat man Testpatienten in die Praxen geschickt oder alle Menschen, die eine Allgemeinpraxis verließen, eingefangen und psychiatrisch untersucht?
Auch ich habe über die Betreuung von depressiven Patienten zu klagen. Wartezeiten von bis zu vier Monaten für Psychotherapie, häufig durch Beipackzettel verunsicherte Patienten, die nicht bereit sind, die (vom Psychiater verordneten) Medikamente weiterzunehmen, sehr häufige Verweigerung der Patienten, überhaupt zum Psychiater zu gehen, weit mehr als 50 Prozent mit der psychiatrischen Therapie unzufriedene Patienten, in über 70 Prozent keine notwendigen Laborkontrollen, bei über 90 Prozent keine Rückmeldungen oder Berichte von Psychotherapeuten.
Für mich stellt sich die Frage, wo die größeren Defizite liegen, bei der Diagnostik in den Allgemeinpraxen oder bei der Therapie in Facharztpraxen, oder vielleicht auch bei der Compliance der heute mündigen Patienten. Jedenfalls bin ich sicher, dass die Beurteilung nicht bei einem Krankenhausarzt liegen kann und darf, der ein ganz anderes und ausgesuchtes Patientenkollektiv betreut.
Die Medien werden sich sicher gerne wieder auf die neu erkannten Defizite stürzen. Im Übrigen sind alle chronisch kranken Patienten mit hohem Betreuungsbedarf betriebswirtschaftlich ungünstig für Kassenärzte. Das haben Politik und KBV so gewollt und auch zu verantworten.

Dr. med. Henning Fischer
Scharnhorststraße 25
32052 Herford

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