ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2002Depressive Störungen bei Patienten der Allgemeinmedizin: Kurzzeitpsychotherapie kosteneffektiv

MEDIZIN: Diskussion

Depressive Störungen bei Patienten der Allgemeinmedizin: Kurzzeitpsychotherapie kosteneffektiv

Dtsch Arztebl 2002; 99(30): A-2058 / B-1747 / C-1558

Schuck, Peter; Vogel, Heiner; Steinbüchel, Thomas

zu dem Beitrag Früherkennung und therapeutische Ansätze von Priv.-Doz. Dr. med. Hermann Ebel Dr. med. Karl Beichert in Heft 3/2002
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LNSLNS Die ausgezeichnete Überblicksarbeit sollte um den Hinweis ergänzt werden, dass Kurzzeittherapie (maximal zwölf Sitzungen) mit Gesprächspsychotherapie oder kognitiver Verhaltenstherapie bei einem hausärztlichen Patientenkollektiv mit leichter bis mittelschwerer Depression sich als mindestens so wirksam und kosteneffektiv erwies wie „übliche“ hausärztliche Versorgung (1, 4). Sie sollte daher nicht erst dann in Erwägung gezogen werden, wenn verschiedene Pharmaka wenig hilfreich waren.
Dies erscheint umso bemerkenswerter als das seit geraumer Zeit gerade bei pharmakritischen Patienten dieser Indikationsgruppe immer beliebter werdende Johanniskraut (Hypericum perforatum) zwar ein vergleichsweise günstiges Nebenwirkungsprofil hat, unter anderem durch Induktion des Zytochrom-P450-Systems, es aber sehr wohl zu klinisch relevanten Interaktionen mit Synthetika kommen kann, wenn diese über das gleiche Enzymsystem abgebaut werden, was auf eine ganze Reihe von Wirkstoffen zutrifft (2, 3, 5).
Hinzu kommt, dass die zunehmende Selbstmedikation der vermeintlich aufgeklärten Patienten hier böse Überraschungen bergen könnte: Eine große Einzelhandelskette bietet seit einiger Zeit ein „Over-the-counter“-Präparat von Johanniskraut mit einer empfohlenen Tagesdosis von 180 mg an. Das entspricht nur 20 Prozent der in der Übersichtsarbeit genannten Dosierung. Auf einer Tagesdosis von 900 mg beruhen aber die meisten Studien, die in die Metaanalyse zur Wirksamkeit von Johanniskraut eingingen, die in der Übersichtsarbeit zitiert wird. Interaktionen mit Synthetika sind auch bei derart niedriger Dosierung zumindest nicht auszuschließen, ohne dass es dabei einen Wirksamkeitshinweis gäbe.
Literatur
1. Bower P, Byford S, Sibbald B et al.: Randomized controlled trial of non-directive counselling, cognitive-behaviour therapy, and usual general practitioner care for patients with depression. II: Cost effectiveness. BMJ 2000; 321: 1389–1392.
2. Ernst E: The risk-benefit profile of commonly used herbal therapies: Ginkgo, St. John’s wort, Ginseng, Echinacea, Saw Palmetto, and Kava. Ann Intern
Med 2002; 136: 42–53.
3. Ruschitzka F, Meier PJ, Turina M, Luscher TF, Noll G: Acute heart transplant rejection due to Saint John’s wort. Lancet 2000; 355: 548–549.
4. Ward E, King M, Lloyd M et al.: Randomized controlled trial of non-directive counselling, cognitive-behaviour therapy, and usual general practitioner care for patients with depression. I. Clinical
effectiveness. BMJ 2000; 321: 1383–1388.
5. Yue QY, Bergquist C, Gerdén B: Safety of St. John’s wort (Hypericum perforatum). Lancet 2000; 355: 576–577.

Dr. med. Dr. phil. Peter Schuck
Dipl.-Psych. Dr. phil. Heiner Vogel
Dipl.-Psych. Thomas Steinbüchel
Institut für Psychotherapie und
Medizinische Psychologie der Universität Würzburg
Klinikstraße 3
97070 Würzburg

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