ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2002zur Deutschen Post: Drama in Gelb

VARIA: Schlusspunkt

zur Deutschen Post: Drama in Gelb

Dtsch Arztebl 2002; 99(30): [156]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Gut, die Aktie der Deutschen Post AG ist nicht gerade so ein Kapitalvernichtungsdokument wie das der Deutschen Telekom, aber großen Anlass zur Freude können die Börsianer beim gelben Riesen auch nicht eben ausmachen. Seit 18 Monaten geht es mit dem Aktienkurs der Post nur noch abwärts, und vom Emissionspreis von 21 Euro ist das Unternehmen mittlerweile auch schon gut 42 Prozent entfernt.
Zwei Volksaktien also ziemlich unter Wasser. Welch ein schlechtes Omen für die Börsenkultur hierzulande. Droht den Börsianern jetzt also nach dem Magenta-Debakel der Deutschen Telekom nun ein Drama in Gelb, wird der Kurs die Zehn-Euro-Marke langfristig halten?
Just in den letzten Börsentagen geriet der Wert erheblich unter Druck. Der böse Bube war im aktuellen Fall die Regulierungsbehörde, die der Deutschen Post Networld AG drastische Portosenkungen für die nächsten Jahre auferlegte. Das ist binnen Wochen nun schon der zweite schwere Schlag für den Bonner Logistikkonzern, nachdem ihm die EU-Kommission noch vor wenigen Wochen wegen angeblicher Quersubventionen eine saftige dreistellige Millionenstrafe aufbrummte.
Es kommt also wirklich knüppeldick für die Deutsche Post. Auf die Anweisung der Regulierungsbehörde, das Porto zu senken, reagierte der Konzern sichtlich beleidigt und holte dann den Hammer gegen die Regierung raus. Dann müsse man eben drastisch Kosten sparen, Personal abbauen, den Briefkasten an der Ecke abschrauben, Filialen schließen und so fort.
Trotz der Trübsal allerorten sieht Postchef Klaus Zumwinkel zuversichtlich in die Zukunft und gibt sich auch kampfbereit. Der momentane Aktienkurs reflektiert seiner Meinung nach in gar keiner Weise den wahren Wert der Aktie. Das Management werde mit aller Energie daran arbeiten, dass die „Aktie gelb“ vom Finanzmarkt angemessen bewertet wird. Bloßes Pfeifen im Walde?
Wahr ist, dass die Portosenkungen in den nächsten fünf Jahren mit mindestens 1,5 Milliarden Euro negativ zu Buche schlagen.
Und ob diese Mehrbelastungen durch Kostensenkungen aufgefangen werden können, ist durchaus eine problematische Frage.
Daraus aber den zwingenden Schluss abzuleiten, die Aktie sei auf der Stelle zu verkaufen, halte ich allerdings für verfehlt. Bei allem Geschrei um die Regulierungsbehörde ist das Porto immerhin bis 2007 festgeschrieben, und das gibt ja auch eine gewisse Planungssicherheit.
Dass der Bonner Konzern auch andere Ertragsquellen anzapft, scheint auch sicher. Der Einstieg in den niederländischen Briefdienst ist dafür ein klares Indiz. Zukünftige positive Überraschungen beim Aktienkurs halte ich deswegen keineswegs für abwegig.
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