ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2002Kapital-Leben: Aufs falsche Pferd gesetzt?

VARIA: Wirtschaft - Versicherungen

Kapital-Leben: Aufs falsche Pferd gesetzt?

Dtsch Arztebl 2002; 99(30): [155]

KHS

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LNSLNS Der Abwärtstrend an den Kapitalmärkten schmälert auch die Renditen der Kapital-Lebensversicherungen.

Die Kapital-Lebensversicherung ist in die Kritik geraten, weil die Gesellschaften zum Jahresbeginn 2002 die „Verzinsung“ der Policen senken mussten. Die Versicherten wurden mit der Tatsache konfrontiert, einen Teil der prognostizierten Summe nicht mehr erwarten zu können. Haben die Versicherungsgesellschaften zu viel versprochen? Hat der Kunde aufs falsche Pferd gesetzt?
Im Wettbewerb um die Gunst der Anleger war für die Anbieter von Kapital-Lebensversicherungen in der Vergangenheit neben der Steuerfreiheit der Erträge ein Argument besonders erfolgreich: die relativ stabile Verzinsung der Versicherungsgelder. In Beispielrechnungen wurden den Kunden Renditeaussichten bis jenseits der Siebenprozentmarke prognostiziert. In der Betrachtung „nach Steuern“ war es für andere Anlagearten schwer mitzuhalten.
Die Überschussbeteiligung ist nicht garantiert
In den Boomjahren als unwesentlich abgetan wurde jedoch meist ein Hinweis, der in den Broschüren der Lebensversicherungen steht und von den Vertretern auch so erläutert werden muss: „Die Rendite setzt sich aus der garantierten Verzinsung von derzeit 3,25 Prozent (beziehungsweise höheren Zinssätzen bei älteren Verträgen) und der Überschussbeteiligung zusammen.“ Diese Überschussbeteiligung ist nicht garantiert. Sie kann schwanken – entsprechend der auf dem Kapitalmarkt erzielbaren Renditen.
Nun sackte in den letzten Jahren die Kapitalmarktrendite „in den Keller“; die Gesellschaften konnten die in Aussicht gestellten Überschussbeteiligungen nicht mehr erzielen. Den Versicherungen half zunächst die gute Kursentwicklung an den Aktienmärkten. Zusätzlich konnten „stille Reserven“ aufgelöst und so die Nettoverzinsung aufpoliert werden. Nach rund zwei Jahren Aktienbaisse sind die stillen Reserven aber jetzt geschrumpft oder aufgebraucht. Mittlerweile wurden die Verzinsungen den tatsächlichen Verhältnissen an den Kapitalmärkten angepasst und die an die Kunden ausgezahlten Renditen um ein bis zwei Prozentpunkte gekürzt. Für den Kunden, der auf die Lebensversicherung als Altersversorgung setzt, ist das enttäuschend. Allerdings gilt diese Reduzierung nicht rückwirkend, das heißt zugeteilte Überschüsse der Vergangenheit bleiben den Versicherten erhalten. Auch würden die Anleger im Gegenzug mit ihren Verträgen natürlich davon profitieren, sollten sich die Kapitalmärkte wieder erholen und die Versicherungen wieder höhere Erträge erzielen.
Derzeit stehen die Lebensversicherungen wegen ihrer Zinssenkungen in der Kritik, können aber wenig dafür. Denn nicht nur viele Privatanleger, sondern auch die Lebens- und Rentenversicherer spüren die Folgen der Börsenentwicklung. Ihre Kapitalanlagen, ob Aktien oder festverzinsliche Staatsanleihen, hängen von den Entwicklungen an den Kapitalmärkten ab. Wenn aufgrund der nachhaltig verbesserten Kaufkraftstabilität ein Renditerückgang bei den Zinsen eintritt – diese werfen derzeit eben nur rund fünf Prozent ab –, so sind darüber hinausgehende Renditen seriös nur schwer zu erzielen.
Sollte der Anleger jetzt in andere Kapitalanlagen umschichten? Eine mögliche Antwort. Doch Festzinstitel haben die geschilderte Entwicklung nachvollzogen. Die durchschnittliche Rendite der Bundesobligationen fiel zeitweise auf unter vier Prozent. Aktien und Fonds jeglicher Couleur verzeichnen ebenfalls rückläufige Renditen und teilweise herbe Verluste. Alternativen sind kaum auszumachen. Also doch die Lebensversicherung als langfristig sichere Sparform für die Altersvorsorge?
Zwei Fragestellungen sind zu erörtern: 1. Was sollte man mit einer bestehenden Lebensversicherung tun? 2. Lohnt sich ein Neuabschluss?
Eine Lebensversicherung sollte möglichst nicht gekündigt werden, da dies die Rendite schmälert und der ausbezahlte Betrag möglicherweise steuerpflichtig ist. Entscheidend ist, zu welchem Zweck die Lebensversicherung abgeschlossen wurde. Ist der Abschluss hinsichtlich einer Praxisfinanzierung erfolgt, so sollte der Arzt jetzt prüfen, ob die Tilgung des Kredits durch die neue, jetzt reduzierte, prognostizierte Ablaufleistung noch gewährleistet ist. Einige Versicherungsgesellschaften, so die Deutsche Ärzteversicherung, kündigten bereits an, ihrerseits eine Prüfung zu veranlassen und ihre Kunden zu informieren. Ist der Vertrag für die Altersversorgung vorgesehen, sollte man, falls nicht sowieso bereits vereinbart, die Möglichkeit einer dynamischen Erhöhung in Erwägung ziehen.
Wie ist der Abschluss einer Lebensversicherung unter den neuen Bedingungen zu beurteilen? Die Lebensversicherung ist durch die steuerfreie Auszahlung der Versicherungssumme, die garantierte Mindestverzinsung von derzeit 3,25 Prozent und den darin eingeschlossenen Versicherungsschutz (zum Beispiel Berufsunfähigkeit) eine attraktive Säule der Kapitalbildung und wichtiger Vorsorgebaustein. Die Frage, bei welcher Lebensversicherungsgesellschaft der Vertrag abgeschlossen werden sollte, sollte sich danach richten, welcher Versicherer unter den gegebenen Umständen eine optimale unternehmerische Expertise vorweisen kann und die für den Arzt passende Risikoabsicherung bereitstellt. Ein erstes Kriterium kann die Höhe der vorgenommenen Reduzierung der Überschussbeteiligung sein. Die Spanne reicht von 0,5 Prozent bis zu 1,8 Prozent.
Höhe der Verwaltungskosten
Ein wesentliches Indiz einer kostenbewussten und damit rentabel arbeitenden Gesellschaft ist die Verwaltungskostenquote, die Auswirkungen auf die Höhe der Überschüsse hat. Einige im Heilberufesektor tätige Gesellschaften als Beispiel: Bei einem Marktindex von 3,21 Prozent liegt die Allianz bei 2,41 Prozent und die Deutsche Ärzteversicherung bei 3 Prozent Verwaltungskostenanteil, gefolgt von Gerling (3,33 Prozent), der Provinzial Kiel (3,43 Prozent), der DBV-Winterthur (4,14 Prozent), der Nürnberger (4,69 Prozent) und der Mannheimer (4,9 Prozent). Darüber hinaus ist die Stornoquote der Gesellschaft aussagekräftig. Sie lässt den Rückschluss auf eine verantwortungsvolle und qualitativ hochwertige Beratung durch den Außendienst der jeweiligen Gesellschaft zu und ist damit Indikator der Kundenzufriedenheit. Stornoquoten unter zwei Prozent zeugen von guter Beratung. Auch hier einige Beispiele: Bei einem Marktdurchschnitt von 4,47 Prozent sind die Deutsche Ärzteversicherung mit 1,8 Prozent, die Mannheimer mit 2,58 Prozent, Gerling mit 2,79 Prozent, die Provinzial Kiel mit 3,25 Prozent, Allianz mit 3,45 Prozent, DBV-Winterthur mit 4,35 Prozent und die Nürnberger mit 6,24 Prozent positioniert. KHS
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