ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2002Paradoxe Hirnembolien als Ursache des Schlaganfalls: Kein erhöhtes Risiko bei offenem Foramen ovale
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS In einer Zeit, in der das therapeutische Dilemma von vermeintlichen und tatsächlichen paradoxen Embolien als Ursache von Schlaganfällen offensichtlich ist, erscheint die Übersicht von Droste und Mitarbeitern einschließlich der Bemühung um eine Standardisierung von Behandlungsstrategien sehr begrüßenswert.
Die Autoren tragen der bislang dünnen Datenbasis im Hinblick auf therapeutische Implikationen bereits Rechnung in der Abschnittsüberschrift „Therapeutisches Dilemma“. Leider lassen sie sich zu den Aussagen motivieren: „Thrombozytenaggregationshemmer als Therapie der ersten Wahl machen aufgrund pathophysiologischer Erwägungen nur wenig Sinn“ und „Bei allen anderen Patienten mit paradoxer Hirnembolie über einen kardialen Rechts-Links-Shunt sollte eine orale Antikoagulation [. . .] über einige Jahre erfolgen, bis aussagekräftigere Daten und eventuell auch längere Erfahrungen mit besseren Okkludern vorliegen („Entscheidung über Langzeittherapie verschieben“).
Nun lässt sich nicht erkennen, dass eine Antikoagulation über einige Jahre etwa keine Langzeittherapie mit potenziellen unerwünschten Wirkungen (Blutungen) darstellt, von der bisher nicht klar ist, ob sie effektiv ist.
Glücklicherweise erschien zwischenzeitlich – nach Annahme der Manuskriptrevision – die hier durchaus weiterweisende Arbeit von Mas et al. (1), die es wert ist, in diesem Zusammenhang beachtet zu werden. Mas et al. konnten in ihrer über vier Jahre beobachtenden, prospektiven, 581 Patienten einschließenden Multicenterstudie bei zerebralen ischämischen Schlaganfällen (alle Patienten erhielten 300 mg Acetylsalicylsäure als Sekundärprophylaxe) in der Gruppe der Patienten mit offenem Foramen ovale (unabhängig von der Größe) kein höheres Schlaganfallrezidivrisiko im Vergleich zur Gruppe ohne offenem Foramen ovale finden (Rezidivrisiko 2,3 Prozent versus 4,2 Prozent nach vier Jahren).
Lediglich die Patienten mit einer Kombination aus offenem Foramen ovale und Vorhofseptumaneurysma zeigten mit 15,2 Prozent ein signifikant erhöhtes Risiko eines Schlaganfallrezidivs nach vier Jahren. Lediglich für diese schlugen die Autoren
eine abweichende Therapiestrategie zur Thrombozytenaggregationshemmung mit Acetylsalicylsäure vor. Interessant erscheint aber auch der Risikovergleich zwischen der Gruppe mit offenem Foramen ovale und/ohne Vorhofseptumabnormalitäten. Da die Datenlage vor Abschluss weiterer Studien (PEPSIS, PC-Studie) auch im Hinblick auf mechanische Verschlussmanöver sehr dünn ist, könnte eine Orientierung an der Arbeit von Mas et al. in der klinischen Praxis hilfreich sein.
Literatur
1. Mas J-L et al.: For the Patent Foramen Ovale and Atrial Septal Aneurysm Study Group. Recurrent cerebrovascular events associated with patent foramen ovale, atrial septal aneurysm, or both. N Engl J Med 2001; 345: 1740–1746.

Dr. med. Thomas M. Kloß
Neurologische Abteilung
Westfälische Klinik
Hermann-Simon-Straße 7
33334 Gütersloh
thomas.kloss@wkp-lwl.org

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige