ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2002Theophyllin: Auf Kaffeekonsum und Komedikation achten

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Theophyllin: Auf Kaffeekonsum und Komedikation achten

Dtsch Arztebl 2002; 99(31-32): A-2128 / B-1812 / C-1720

Stoschek, Jürgen

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Als der Londoner Arzt Hyde Salter 1859 seinen Patienten, die an Luftnot und Atemwegsbeschwerden litten, zum Kaffeetrinken riet, wusste er wahrscheinlich nicht, dass die chemischen Strukturen von Koffein und Theophyllin nahezu identisch sind. Doch erst 1922 markierte eine Publikation von Samuel Hirsch den Beginn der Therapie mit Theophyllin bei Atemwegsobstruktionen. Zuvor hatte der Wirkstoff einige Jahrzehnte als Diuretikum und Kardiakum gedient.
Heute hätten neuere Substanzen den Stellenwert von Theophyllin als Standardmedikament in der Behandlung der obstruktiven Atemwegserkrankungen deutlich relativiert, erinnerte der Regensburger Biochemiker und Pharmakologe Prof. Ekkehard Haen bei einem Fachgespräch der Firma Fujisawa Deutschland (vormals Klinge Pharma) in München. Anlass war der 20. Geburtstag von Bronchoretard®.
Theophyllin sei noch immer ein zuverlässiger Bronchodilatator, der erst im Laufe mehrerer Tage seine volle Wirkungsstärke erreiche, sagte Haen. Bei der Behandlung des Asthma bronchiale und der COPD sei Theophyllin unverzichtbar, zumal auch eine antientzündliche Wirkung belegt sei. Trotz der langen Erfahrungen sei es aber bis heute nicht gelungen, Theophyllin durch ein weiterentwickeltes Methylxanthin oder einen selektiven Phosphodiesterasehemmer zu ersetzen.
Weil im Unterschied zu der Zeit vor 140 Jahren heute Kaffee von vielen Menschen täglich auch in großen Men-gen konsumiert wird, sollte eine Behandlung mit Theophyllin an den Koffeinkonsum angepasst werden, empfahl Haen. Bei Patienten, die morgens und mittags viel Kaffee trinken, könne mit den modernen Retardkapseln die morgendliche Theophyllindosis entfallen.
Wenig bekannt sei auch, dass Pentoxifyllin, das zur Behebung peripherer Durchblutungsstörungen zugelassen ist, eigentlich ein Bronchodilatator ist. So könne es geschehen, dass ein Asthmatiker Theophyllin gegen sein Asthma erhält, morgens regelmäßig Kaffee trinkt und auch noch Pentoxifyllin einnimmt, weil er Durchblutungsstörungen oder einen Hörsturz hat.
Während die Theophyllindosis in der Klinik auf die Plasmakonzentration eingestellt wird, werden die beiden anderen ähnlich wirksamen Substanzen nicht mitgemessen. Das könnte erklären, weshalb Patienten, die eigentlich optimal auf Theophyllin eingestellt sind, dennoch die Behandlung nicht vertragen, weil unter Umständen die Konzentration aller drei Substanzen im toxischen Bereich liegt, erläuterte Haen. Jürgen Stoschek
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige