ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2002Krankenhausfinanzierung: Externe müssen ran

SEITE EINS

Krankenhausfinanzierung: Externe müssen ran

Clade, Harald

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) setzt darauf, dass unter Rückgriff auf die im Fallpauschalengesetz vorgesehene Ersatzvornahme rechtzeitig eine Verordnung erlassen werden kann, um die Optionsregelung zur Einführung der diagnosebezogenen Fallpauschalen zum 1. Januar 2003 zu starten. Nachdem die Deutsche Krankenhausgesellschaft am 24. Juni das Scheitern der Verhandlungen über die Abrechnungsbestimmungen erklärt hatte, versucht das BMG zu retten, was zu retten ist. Die Ministerialen in Bonn wissen genau, dass die Bundestagswahl vom 22. September bei dem Projekt einen Strich durch die Rechnung machen könnte, wenn die Bundesregierung kippt und die jetzige Opposition einen Zeitaufschub bei der Umstellung auf Fallpauschalen einräumt und nachbessert.
Mithilfe einer konsequenten Einführung des Entgeltsystems soll die starre Budgetierung im stationären Sektor suspendiert und das Geld den Leistungen folgen können. Zugleich sollen mithilfe der DRG-bezogenen Festpreise mehr Transparenz, mehr Leistungs- und Preiswettbewerb initiiert werden.
Um die „Herkulesaufgabe“ zu bewältigen, die mehr als 660 DRGs abzubilden und abrechnungsfähig zu machen, greift das BMG jetzt notgedrungen auch auf externen Sachverstand zurück. Die Firma 3M, Neuss, die Insiderkenntnisse des US-amerikanischen DRG-Systems nachweisen kann, ist jetzt über das neu gegründete Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus beauftragt worden, die DRG-bezogenen Entgelte auf empirischer Basis zu kalkulieren. Bis Ende August sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein und die Bewertungsrelationen für die DRGs vorliegen. Das Ministerium will die Abrechnungsvorschriften entwerfen und die Grenzverweildauerregelung festzurren. Sobald die ins Deutsche übersetzte Klassifikation einschließlich der ICD- und OPS-Zuordnung vorliegt, soll diese ins Internet gestellt werden, eine Transparenzvoraussetzung dafür, dass sich die Softwareindustrie aktiv einschaltet und so genannte Grouper entwickeln kann. Ein Schönheitsfehler bei der Umsetzung: Dadurch, dass auch Aufträge an gewerbliche Beratungsinstitute vergeben werden, verliert das Siegburger Institut für 40 Prozent seines Finanzierungsvolumens die Gemeinnützigkeit. 3M-Gutachten sind umsatzsteuerpflichtig. Bundesfinanzminister Hans Eichel verdient auch bei den DRGs mit. Dr. rer. pol. Harald Clade
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema