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Theo Riegel Foto: VdAK/AEV
Theo Riegel
Foto: VdAK/AEV
Vier Fragen an Theo Riegel, Leiter der Abteilung Stationäre Einrichtungen des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen e.V., Siegburg, den Vorsitzenden des Bundeskuratoriums Qualitätssicherung gGmbH, Düsseldorf.

DÄ: Bereits seit 18 Monaten ist die externe Qualitätssicherung gemäß § 137 SGB V für alle Krankenhäuser rechtsverbindlich. Wie lautet Ihre Zwischenbilanz? Wie geht es nach dem Start des DRG-Pauschal-Entgeltsystems für Krankenhäuser weiter?
Riegel: Die Einführung der externen Qualitätssicherungsmaßnahmen auf der Grundlage des geänderten § 137 SGB V war in der Tat eine Herkulesaufgabe. Die Vertragspartner mussten zusammenfinden, wobei die Bundes­ärzte­kammer und der Deutsche Pflegerat als vollwertige Partner beteiligt wurden. Das Zusammenspiel der Bundes- und Landesebene musste organisiert werden – und viele weitere Dinge mehr. Leider haben diese organisatorischen Fragen in der Anfangsphase die inhaltlichen Aspekte, um die es im Wesentlichen gehen muss, beeinflusst. Seit einiger Zeit sind wir aber in der Lage, uns primär auf die inhaltlichen Dinge zu konzentrieren. Die Umstellung auf die DRG soll genutzt werden, die schon lange ins Auge gefasste Abkehr bei der Qualitätssicherungs-Dokumentation vom Entgelt hin zum Leistungsbezug zu realisieren. Unser Hauptaugenmerk muss darauf liegen, die durch die DRG-Umstellung notwendigen organisatorischen Anpassungen kurz und bündig vorzunehmen, um den Freiraum für die inhaltlichen Dinge zu haben.

DÄ: Das Bundeskuratorium Qualitätssicherung fordert eine vollständige elektronische Datenerfassung. Dies setzt eine gute Prozessorganisation und ein modernes Informationsmanagement in den Krankenhäusern voraus. Sind die deutschen Krankenhäuser dafür vorbereitet?
Riegel: Weder die Krankenhäuser noch die angebotene Software ist hierauf vorbereitet. Es sind überwiegend „Insellösungen“ im Einsatz, mit nicht zusammenpassenden Schnittstellen. Dies bedingt sehr oft zwei- und dreifache Eingabeaktivitäten für gleiche Sachverhalte. Dies führt zu dem Frust an der Basis. Wir müssen uns weitestgehend bei den im Rahmen der Qualitätssicherung zu dokumentierenden Parametern auf die Information und Daten beschränken, die im Rahmen anderer Verfahren anfallen (Aufnahme-/Entlassdokumentation, Arztbrief, OP-Buch et cetera). Diese Informationen müssen, einmal erfasst, für alle anderen Anwendungen abrufbar sein. Dies würde die Akzeptanz deutlich erhöhen. An diesem Punkt müssen wir auch oder gerade mit der Softwareindustrie viel enger zusammenarbeiten.

DÄ: Die Modalitäten über die Qualitätssicherung wurden von den Spitzenverbänden der Krankenkassen, der Deutschen Krankenhausgesellschaft, der Bundes­ärzte­kammer und dem Deutschen Pflegerat vereinbart. Der Selbstverwaltung wird vorgehalten, sie sei schwerfällig bei der Ausfüllung und Umsetzung dieser Bestimmungen. Von zeitlichen Verzögerungen wird berichtet. Wie sind Ihre Erfahrungen?
Riegel: Das Zusammenspiel auf der Bundesebene hat bis heute ausgezeichnet funktioniert, weil wir eine gemeinsame Zielsetzung haben. Alle Entscheidungen sind bis heute einvernehmlich gefallen. Es gibt keinen Bereich, in dem die Selbstverwaltung besser funktioniert hat. Die Probleme liegen eher in den Rahmenbedingungen.

DÄ: Abschläge bei fehlender Dokumentation für die Qualitätssicherung sind gesetzlich vorgesehen, wurden aber von den Betroffenen stets kritisiert. Jetzt hat das Bundeskuratorium Qualitätssicherung eine Abmilderung beziehungsweise eine Aussetzung dieser Sanktionen empfohlen. Wie kam es zu diesem Meinungsumschwung?
Riegel: Es macht keinen Sinn, hinter dem letzten nicht dokumentierten Fall hinterherzuhecheln, um Sanktionen auszuüben. Ziel muss vielmehr sein, die „strategischen“ Verweigerer zu finden und diese zu überzeugen. Wenn die Krankenhäuser erst im April eines Jahres die Erfassungssoftware erhalten, kann man hiervor als Kostenträger nicht die Augen verschließen. Mit der Umstellung auf DRG geht auch das Zeitalter der Einzelbudgets der Krankenhäuser – wenn auch nur schrittweise – zu Ende. Somit können die vorgesehenen „Abzugsmethoden“ in Zukunft ohnehin nicht mehr praktiziert werden. Wir haben eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die hier neue Lösungsvorschläge erarbeiten soll.
DÄ-Fragen: Dr. rer. pol. Harald Clade
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