ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2002Abrechnungs- und Beratungsgesellschaft für Zahnärzte: Für die Zukunft bestens gerüstet

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Abrechnungs- und Beratungsgesellschaft für Zahnärzte: Für die Zukunft bestens gerüstet

Dtsch Arztebl 2002; 99(33): A-2162 / B-1834 / C-1726

Weber, Bruno

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LNSLNS Während in vielen Kassenärztlichen Vereinigungen noch über eine genossenschaftliche Parallelorganisation diskutiert wird, blicken die bayerischen Zahnärzte bereits auf eine fast zehnjährige Organisationsentwicklung zurück.

Am 10. November 1992 wurde in München die ABZ – Abrechnungs- und Beratungsgesellschaft für Zahnärzte eG gegründet. Gründungsmitglieder waren der Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer (BLZK), Dr. Dr. Kastenbauer, der Erste Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB), Dr. Reißig, und weitere 24 Zahnärzte. BLZK und KZVB investierten je 300 000 DM in die Genossenschaft und stellten damit die Anschubfinanzierung sicher. Die ABZ wurde immer als Bollwerk zur Sicherung der Freiberuflichkeit für die bayerischen Zahnärzte gesehen. An diesem Auftrag hat sich bis heute nichts geändert. Es war ein langer Weg, die Zahnärzteschaft von diesem Konzept gegen Einkaufsmodelle und Budgetmedizin zu überzeugen. Aber inzwischen sind rund 40 Prozent der bayerischen Zahnarztpraxen in der ABZ eG organisiert.
Erst allmählich wurde vielen Zahnärzten klar, welche enormen Vorteile die genossenschaftliche Organisation zum Erreichen wirtschaftlicher Ziele hat. Die Mitgliederentwicklung zeigt deutlich, dass sich bei drohenden Gesundheitsreformen der Gedanke zur Solidarisierung in der Genossenschaft als Motor zum Beitritt bewährt hat (Grafik 2).
Schon vor zehn Jahren erkannten die Gründer der ABZ eG, dass der 150 Jahre alte Genossenschaftsgedanke einen wirksamen Schutz für wirtschaftlich schwache Marktteilnehmer (hier Zahnarztpraxen) gegenüber einer oligopolistischen Marktübermacht (dort Krankenkassen) darstellen kann. Ein Marktgleichgewicht mit einer fairen Honorierung zahnärztlicher Leistungen kann nicht erreicht werden, solange die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen unter Staatsaufsicht stehen, Schiedsamtsentscheide von der Besetzung des Vorsitzenden abhängen und das Bundessozialgericht Zahnärzte zu Leistungen, mit denen kein Gewinn erzielt werden kann, verpflichtet:
„Finanzielle Aspekte, wie die behauptete unzureichende Honorierung einer Einzelleistung eines Vertragsarztes, rechtfertigen es nicht, dem Versicherten gesetzlich vorgesehene Leistungen nur außerhalb des Systems der vertragsärztlichen Versorgung zukommen zu lassen oder gar zu verweigern. Der vertragsärztlichen Vergütung liegt eine Mischkalkulation zugrunde. Es kann Leistungen geben, bei denen selbst in einer kostengünstig organisierten Praxis kein Gewinn zu erzielen ist. Entscheidend ist, dass das aus der vertragsärztlichen Tätigkeit erzielbare Einkommen Ärzten hinreichend Anreiz bietet, an dieser Versorgung mitzuwirken.“ (Bundessozialgericht, Urteil vom 14. März 2001, Az.: B 6 KA 54/00 R)
Die genossenschaftliche Rechtsform bietet viele Vorteile:
- Demokratische Willensbildung
Jedes Genossenschaftsmitglied hat auf der Generalversammlung Rederecht und kann seine Ideen und Vorstellungen einbringen, um Mehrheiten zu bilden. Die ABZ eG ist die einzige
Genossenschaft, die eine Ver­tre­ter­ver­samm­lung in den letzten Jahren abgeschafft hat, um allen Mitgliedern die
direkte Einflussnahme auf die Willensbildung zu ermöglichen.
- Gleichberechtigte Entscheidungsfindung
Jedes Mitglied hat eine Stimme auf der Generalversammlung. Diese Stimmberechtigung ist unabhängig von der Höhe seiner Kapitalbeteiligung. Daher kann eine Genossenschaft nie vom Kapital dominiert werden, anders als die Aktiengesellschaft, wo die Stimmrechte analog der Beteiligungshöhe am Kapital der Gesellschaft geregelt sind.
- Schutz vor feindlicher Übernahme
Feindliche Übernahmen erfolgen durch Aufkauf des Stammkapitals. Das Stammkapital der ABZ eG ist nicht frei veräußerbar. Die Satzung beschränkt die Mitgliedschaft auf Zahnärzte, Personengesellschaften und juristische Personen, die mit Zahnärzten in geschäftlicher Beziehung stehen oder deren Mitgliedschaft im Interesse der Genossenschaft liegt. In jedem Fall bleibt es bei der einen Stimme für das Mitglied, auch wenn es über 60 Prozent oder 90 Prozent des Kapitals der Genossenschaft verfügen würde.
- Zulässige Preisabsprachen
Grundsätzlich sind Preisabsprachen im Markt unzulässig. So stoßen auch einige Gebührenordnungen der Freien Berufe bei den Brüsseler Wettbewerbshütern auf Bedenken. Das Genossenschaftsrecht ermöglicht aber den Mitgliedern einer Genossenschaft, diese mit der Vermarktung ihrer einzelnen Dienstleistungen zu beauftragen. Damit kann eine Genossenschaft unbeschadet des Wettbewerbsrechtes für die Gruppe ihrer Mitglieder einheitliche Honorare verhandeln und mit den Kostenträgern abrechnen.
- Konzentration der Marktmacht
Durch die Solidarität der Mitglieder wird die sonst atomisierte Marktstellung des Einzelnen in der Gruppe konzentriert. Die Genossenschaft kann für ihre Mitglieder auf Augenhöhe mit den übermächtigen Kostenträgern verhandeln. Nur die Solidarität ermöglicht ein Tarieren des Marktgleichgewichtes.
- Freiwilligkeit der Solidarität
Jedes Mitglied ist in seiner Entscheidung zur Solidarität frei. Es kann kein Mitglied gezwungen werden, den gemeinsamen Weg zu beschreiten. Dies wird immer ein Ansporn zu Höchstleistungen der Genossenschaft sein, denn ein Trittbrettfahrer wird nur zu überzeugen sein, wenn in der Gruppe ein besseres Verhandlungsergebnis erzielt beziehungsweise eine pünktliche Abwicklung des Zahlungsverkehrs gewährleistet werden kann.
- Beteiligung am Unternehmenserfolg
Bei einer Genossenschaft kann keiner in die eigene Tasche wirtschaften. Der Unternehmenserfolg wird unmittelbar auf die beteiligten Mitglieder als Jahresrückvergütung oder Dividende verteilt. Es verdient kein anonymer Dritter an der Wertschöpfung aus dem Mitgliederkreis.
- Minimierung des wirtschaftlichen Risikos
Jede wirtschaftliche Betätigung ist auch mit Haftung verbunden. Die Genossenschaft hat den Vorteil einer Haftungsbeschränkung auf Höhe des gezeichneten Genossenschaftsanteils und im Konkursfall einer Nachschusspflicht in gleicher Höhe. Das heißt bei der ABZ eG: Wer sich mit einem Anteil von 1 000 Euro beteiligt hat, kann schlimmstenfalls nur mit weiteren 1 000 Euro in Anspruch genommen werden. Eine persönliche unbeschränkte Haftung, wie etwa bei einer Gemeinschaftspraxis, ist gesetzlich ausgeschlossen.
- Selbstverwaltung der wirtschaftlichen Interessen
In einer Genossenschaft bestimmen die Mitglieder die Wahrnehmung ihrer wirtschaftlichen Interessen selbst. Sie müssen sich keinen Dienstleister suchen, dessen wirtschaftliche Interessen ihren am nächsten kommen, jedoch nie ganz deckungsgleich sind. Die Mitglieder der Genossenschaft richten die Geschäftspolitik zu 100 Prozent nach ihren Bedürfnissen aus und setzen einen Aufsichtsrat ein, der den Vorstand bei der operativen Umsetzung entsprechend kontrolliert und begleitet.
- Geld-zurück-Garantie
Hält ein Mitglied die Wahrnehmung seiner wirtschaftlichen Interessen durch die Genossenschaft für nicht mehr erforderlich, kann es seine Mitgliedschaft mit einer zweijährigen Frist kündigen. Es erhält dann seinen Mitgliedsanteil nach dieser Frist wieder ausbezahlt.
Mit einer Investition von 1 000 Euro – soviel kostet ein Genossenschaftsanteil der ABZ eG – gewinnt man die Möglichkeit zur Sicherung einer freien Berufsausübung. Kein Geld geht verloren, jeder hat Mitspracherechte. Der Genossenschaftsgedanke hat hierzulande bereits viele Staatsformen überlebt und ist so aktuell wie eh und je.
Die ABZ eG hat inzwischen ein breites Dienstleistungsspektrum aufbauen können. Ihr erstes Geschäftsfeld bestand und besteht in einem Datenverarbeitungsauftrag für die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns. Die Genossenschaft bereitet die kieferorthopädische Kassenabrechnung in Bayern für die KZVB auf. Daneben konnte sie sich als Einkaufsgenossenschaft für Dentalmaterial mit einem eigenen Katalog etablieren. Dienstleistungen im Beratungs-, Finanz-, Planungs- und Seminarbereich runden das Bild ebenso ab wie Kooperationen bei der betriebsmedizinischen und sicherheitstechnischen Betreuung von Mitgliedspraxen.
So steht die ABZ eG heute mit einem Jahresumsatz von rund acht Millionen Euro und einem Haftungskapital von fast 6,5 Millionen Euro auf einem äußerst soliden Fundament, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Die Gewinnsituation in den letzten Jahren war erfreulich, sodass bis zu zehn Prozent Dividende auf den Genossenschaftsanteil zusätzlich zu einer genossenschaftlichen Rückvergütung ausgeschüttet werden konnten. Die ABZ eG verfügt über qualifizierte Mitarbeiter und eine EDV-Infrastruktur, die sie jederzeit in die Lage versetzen, Abrechnungen für ihre Mitglieder in großem Umfang zu verwalten und abzuwickeln. Damit sind die bayerischen Zahnärzte für die Zukunft gerüstet.

Dr. rer. pol. Bruno Weber
Vorstandsvorsitzender ABZ eG
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