ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2002Arzt und Geschäft: Differenzieren
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LNSLNS . . . Auch wenn wir es bedenklich finden, dass Ärzte neben ihren medizinischen Tätigkeiten und der ganz normalen Bürokratie nun auch noch das Verkaufen lernen müssen: Noch trauriger finden wir es, wenn gute Ärzte ihre Praxen schließen müssen, weil sie die Aufgabe nicht lösen konnten, gleichzeitig Mediziner und Unternehmer zu sein.
Wir waren dann doch überrascht, dass Herr Deiß es für „peinlichen Blödsinn“ hält, sich an Gesunde in der Praxis zu wenden, „die ja anscheinend unbedingt noch ärztlicher Behandlung bedürfen“. Man könnte leicht erwidern, dass jeder, der um ärztliche Hilfe bittet, als Patient zu betrachten sei. Da gibt es Raucher, die um Unterstützung bei der Entwöhnung bitten. Oder gestresste Manager, die wissen möchten, ob die tägliche Hektik und der abendliche Rotweinkonsum bereits erste Schäden hinterlassen haben. Oder reisefreudige Menschen, die sich gerne über die Risiken des Trips nach Madagaskar informieren wollen und außerdem gerne eine Untersuchung und Bescheinigung über ihre Tauchtaug-lichkeit hätten. Was – bitte schön – macht Herr Deiß mit diesen „Nicht-Patienten“?
! Wenn er umsonst helfen würde, täte er den Ratsuchenden gewiss einen Gefallen. Aber diese Tätigkeit gehört dann doch eher in den Bereich Hobby und nicht zur Berufstätigkeit, oder?
! Wenn er die Leistungen über die GKV abrechnen würde, wäre das nicht Abrechnungsbetrug?
! Wenn er abwarten würde, bis der Raucher hustet, der Manager einen Hochdruck oder Leberschaden hat und der Reisende mit Malaria zurückkommt, wäre das sicher keine „Geschäftemacherei“, aber hätte er ärztlich und ethisch einwandfrei gehandelt?
! Wenn er die Ratsuchenden wegschicken würde (zur nächsten Apotheke, ins Wellness-Center oder zum Heilpraktiker), würde er die ärztliche Zuständigkeit nicht noch weiter untergraben?
Es gibt sinnvolle Gesundheits-Leistungen außerhalb der GKV, und es gibt viele Menschen, die diese von Ihrem Arzt (und niemandem anders!) wollen. Und ebenso gibt es weniger sinnvolle ärztliche (IGeL-)Leistungen, auch hier ist die Spreu nicht einfach vom Weizen zu trennen . . .
Ruth Auschra und Med.-Inf. Jürgen Majerus, Redaktion MEDICUSPLUS, Medizinverlage Stuttgart, Steuermärker Straße 3–5, 70469 Stuttgart
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