ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2002Arzt und Geschäft: Pro und Kontra
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LNSLNS . . . Über „Matrix-Regenerationstherapien“ muss man als Humanmediziner mit akademischer Ausbildung wohl kaum ernsthaft diskutieren!? Das Geschäft mit der Angst unserer Patienten, sei es vor einer schweren Krankheit oder einfach nur dem Älterwerden, erblüht in teilweise erschreckender Mannigfaltigkeit! Inzwischen gibt es übrigens auch immer mehr Patienten, die offen von „Abzockerpraxen“ reden. Die betroffenen Kollegen werden dies zunächst nicht merken – der Patient erscheint einfach nicht mehr, und dies kann auch als Indiz für eine erfolgreiche Behandlung fehlgedeutet werden!
Andererseits gelangte ja schon Paracelsus zu der Erkenntnis „Mundus vult decipi, ergo decipiatur“ – die Welt will getäuscht sein, also soll sie getäuscht werden!
Insofern wird hier vielleicht auch nur ein uraltes menschliches Bedürfnis dienstleisterisch von der Ärzteschaft vermehrt erschlossen (wieso sollen nur die Heilpraktiker profitieren?). Eine mögliche Leitschiene für das Anbieten ärztlicher Leistungen könnte in diesem Zusammenhang die einfache Frage sein, ob man ein bestimmtes Angebot auch für sich selber in Anspruch nehmen würde . . .
Allerdings gibt es IGeL, die eindeutig keine Abzockerei darstellen und die auch Herr Jachertz akzeptieren muss. Man denke hierbei zum Beispiel an die kompetente reisemedizinische Beratung durch einen entsprechend fort- und weitergebildeten Arzt oder die x-te Bestimmung der Leberwerte zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis! Aber auch die erwähnte Entfernung einer lediglich kosmetisch störenden Hautveränderung durch den Dermatologen kann man nicht verdammen – hier nimmt der Kollege zu Recht das Sozialgesetz ernst und hält sich an die Vorschriften über die Wirtschaftlichkeit und die Grenzen der Leistungspflicht der GKV . . .
Denn durch die oft unwidersprochene Bedienung dieses Irrglaubens durch uns Ärzte werden unsere Punkwerte und schließlich unser Einkommen auch immer weiter vermindert. Diese zugegebenermaßen mühselige Diskussion wird aber von vielen Kollegen gemieden – stattdessen wird dann lieber auf fragwürdige, aber von den Patienten zunächst gerne angenommene (weil „natürliche“, „ganzheitliche“ oder ganz besonders „vorsorgliche“) Angebote ausgewichen und nebenbei die Chipkarte „gesichert“.
Marc Kuben, Rosenweg 15,
79312 Emmendingen
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