ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2002Arzt und Geschäft: Dank und Anerkennung
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LNSLNS Herr Jachertz hat mit seinem Artikel ein brisantes Thema angesprochen. Dafür verdient er aufrichtigen Dank und Anerkennung. Er hat Recht, wenn er feststellt, dass die Basis des Arztberufes verloren geht, wenn der Patient nicht mehr als kranker Mensch behandelt, sondern ihm als Kunde eine Ware verkauft wird. Die Grundlage des Ansehens des Arztberufes ist nämlich die, dass wir getreu dem Grundsatz salus aegroti suprema lex handeln und jegliche weitere Interessen – seien sie finanzieller oder psychologischer Natur – hinten anstellen. Wenn der Arzt zum Krämer wird, verändert sich das Arztbild und das Rollenverständnis.
Der Arzt ist im Dilemma: Er ist nicht mehr alleine der Experte bei Krankheiten, sondern auch der Experte in Fragen der Gesundheit. Diese Leistungen werden selbstverständlich nicht von der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung übernommen und müssen deshalb vom Patienten selbst bezahlt werden. Problematisch wird es dann, wenn medizinische Leistungen erbracht werden, deren Inhalt zu Recht fragwürdig ist, deren Sinnhaftigkeit im Einzelfall nicht ausreichend kommuniziert wird und die letztendlich nur dazu dienen, dem Arzt das gerechte Einkommen zu realisieren, das ihm eigentlich bei der Behandlung regulärer Patienten und Krankheiten zusteht. Der „Notausstieg Gesundheitsladen“ für den praktizierenden Arzt ist menschlich und ökonomisch nachvollziehbar, in der Konsequenz möglicherweise fatal.
Die Kommerzialisierung des Arztberufes führt zur Deprofessionalisierung und damit zur Abwertung unseres Berufsstandes. Dies betrifft auch das Gesundheitswesen in seiner Gänze. Aufgerufen sind wir Ärzte und unsere Standesvertretungen selbst, den Nutzen unserer Leistungen für die Patientenversorgung wesentlich klarer darzustellen als in der Vergangenheit und für eine hochwertige humane Patientenversorgung eine adäquate Finanzierung und Honorierung der ärztlichen Leistungen zu fordern.
Vielleicht richtet das DÄ ein Forum zu diesem Thema ein, in dem konkrete Beispiele des „Gesundheitsladens“ dargestellt und diskutiert werden können . . .
Dr. med. Günther Jonitz, Ärztekammer Berlin, Flottenstraße 28–42, 13407 Berlin
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