ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2002ADHS: Ursachenforschung nicht vergessen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Es ist gut, dass aus der Sicht der Drogenbeauftragten weit verbreiteten Vorurteilen gegenüber der indizierten Verordnung von Methylphenidat entgegengewirkt wird, und eine rationelle Therapie mit Stimulanzien ist dabei ein Teilaspekt. Hier gilt es, die These des Missbrauchs und seiner Folgen auf eine belastbare Grundlage zu stellen.
Nicht ohne Grund sind die fachlichen Veranstaltungen, in denen Kliniker Eltern und Pädagogen über ADHS informieren, überfüllt und geprägt von Hilflosigkeit und Verzweiflung der Betroffenen. Im Hinblick auf die Verbreitung der Störung werden Inzidenzen von drei bis sieben Prozent genannt, es handelt sich nicht mehr um ein Problem von Einzelfällen. Parallelen zu den kindlichen Allergien und zum kindlichen Asthma drängen sich auf. Die Auseinandersetzung mit der Problematik muss die Frage nach der Inzidenz beinhalten und auch die Frage der vermuteten Zunahme in den letzten Jahren aufgreifen. Beim Asthma hat sich innerhalb von fünf Jahren (1995 bis 2000) die Zahl von Asthmaerkrankungen in den Grundschulen um 33 % erhöht; wie sieht es bei ADHS aus? Sind hier möglicherweise, wie bei den Allergien, neben den „biologischen Faktoren“ und psychosozialen Einflüssen auch andere exogene Faktoren beteiligt? Parallelen zwischen ADHS und der Exposition gegenüber neurotoxischen Umweltschadstoffen sollten in den Hypothesenkatalog zur Ätiologie der Störung aufgenommen werden. Epidemiologische Grundlagenforschung ist dringend notwendig und überfällig. Die Einbeziehung des Vorkommens von ADHS im Kinder- und Jugendsurvey muss ergänzt werden um Instrumente zur Ermittlung von Risikofaktoren wie das in früheren Surveys bewährte Humanbiomonitoring und Ambientmonitoring des UBA . . .
Literatur beim Verfasser
Dr. med. B. G. J. Heinzow,
Tonderner Straße 18, 24106 Kiel
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige