ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2002Moderne Diagnostik benigner und maligner Raumforderungen der Leber: Verzicht auf Biopsie

MEDIZIN: Diskussion

Moderne Diagnostik benigner und maligner Raumforderungen der Leber: Verzicht auf Biopsie

Dtsch Arztebl 2002; 99(33): A-2205 / B-1871 / C-1763

Schlitt, Hans J.

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LNSLNS In ihrem Artikel geben die Autoren einen guten Überblick über das breite Spektrum aktueller diagnostischer Möglichkeiten bei Raumforderungen der Leber, insbesondere bezüglich ihrer Differenzialdiagnostik. Dabei wird bei praktisch allen Raumforderungen, abgesehen vom Hämangiom, die Bedeutung der Biopsie zur Diagnosesicherung hervorgehoben (siehe Grafiken 1 und 2 sowie im Text). Wenngleich die Biopsie sicher interessante Zusatzinformationen liefern kann, ist sie in der täglichen Praxis jedoch nur in bestimmten Fällen indiziert – nämlich dort, wo das therapeutische Vorgehen vom Ergebnis der Biopsie abhängt. Die benignen Läsionen „Hämangiom“ und „fokaler nodulärer Hyperplasie“ (FNH) sind in der Regel mit nichtinvasiver Diagnostik zu sichern, wobei eine verlässliche Beurteilung den Nachweis typischer Befunde in mindestens zwei unabhängigen Untersuchungsverfahren (Sonographie, CT, NMR, Nuklearmedizin) erfordert. Bei sicherem Hämangiom oder sicherer FNH ist eine Operation in der Regel nicht erforderlich. Bei allen anderen tumorverdächtigen Raumforderungen, sofern sie prinzipiell resektabel erscheinen, besteht eine Indikation zur Operation, unabhängig von der Histologie der Läsion. Dies betrifft insbesondere auch die Differenzialdiagnostik zwischen einem Adenom und einem hochdifferenzierten hepatozellulären Karzinom, die mithilfe der Biopsie nicht sicher möglich ist. Aus klinischer wie auch aus ökonomischer Sicht sollte deshalb bei Nachweis einer resektablen Raumforderung der Leber auf eine Biopsie verzichtet werden. Die histologische Beurteilung kann dann letztendlich am kompletten Resektionspräparat erfolgen. Präoperative Biopsien können unter Umständen sogar nachteilige Auswirkungen haben, zum Beispiel bei Vorliegen falschnegativer Biopsieergebnisse, die eine notwendige Operation verzögern können, oder durch Punktionskanalmetastasen als Ursache eines Rezidivs bei einem lokal radikal operierten Tumor. Nur bei einer nicht resektablen Raumforderung bei Erstansicht oder bei multiplen diffusen Herden ist eine Biopsie sinnvoll, da die Histologie die Basis für das weitere therapeutische Vorgehen, wie zum Beispiel die Art der Chemotherapie, darstellt.

Prof. Dr. med. Hans J. Schlitt
Viszeral- und Transplantationschirurgie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30623 Hannover

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