ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2002Zytostatikatherapie: Amifosin schützt die gesunden Zellen

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Zytostatikatherapie: Amifosin schützt die gesunden Zellen

Dtsch Arztebl 2002; 99(33): A-2209 / B-1909 / C-1781

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Um gesunde Zellen vor zytotoxischen Maßnahmen in der Malignomtherapie zu schützen, müssen in ihnen freie Radikale abgefangen und Wasserstoffionen an freie Radikale abgegeben werden sowie eine Sauerstoff-Depletion erfolgen. Außerdem sollten zytotoxische Substanzen inaktiviert werden. Eine Substanz mit diesen Effekten ist das organische Thiophosphat Amifosin (Ethyol®). Es handelt sich um ein Prodrug, das durch Zellmembran-gebundene alkalische Phosphatase in den aktiven Metaboliten WR-1065 umgewandelt wird.
Weniger Strahlenschäden bei Bronchialkarzinom
Da die Aktivität dieses Enzyms in gesunden Zellen höher ist als in Karzinomzellen, diese auch eine bessere Gefäßversorgung und einen höheren pH-Wert besitzen, wird WR-1065 bevorzugt in gesunden statt in Tumorzellen aufgenommen. In klinischen Studien bei Patienten, die mit Cisplatin, Carboplatin, Cyclophosphamid oder Strahlen behandelt wurden, konnte der zytoprotektive Effekt der Substanz belegt werden.
Im Vergleich zur alleinigen Zytostatika-Therapie bewirkte die vorbeugende Gabe von Amifosin eine signifikante Reduktion von toxischen Effekten auf das hämatologische System, die Nieren und das Nervensystem, wodurch sich die Behandlungszeiten und Kranken­haus­auf­enthalte verminderten. Eine Vorbehandlung mit Amifosin bei Patienten mit Radiotherapie reduzierte nicht nur die Inzidenz akuter und später Xerostomien; bei Thoraxbestrahlungen wurden auch weniger Pneumonien, Fibrosen und Ösophagitiden beobachtet.
Dr. Dosia Antonadou (Athen) berichtete über den protektiven Effekt von Ethyol bei der Radiotherapie von 146 Patienten mit Bronchialkarzinom (NSCLC): „Die Kontrollgruppe entwickelte deutlich häufiger und schwerere Formen einer Ösophagitis als die mit Amifosin vorbehandelten Patienten.“ Die Häufigkeit von Fibrose nach sechs Monaten am Ende der Radiotherapie war ebenfalls signifikant unterschiedlich: In der Kontrollgruppe hatten 19 von 36 Patienten diese Veränderung entwickelt, in der Amifosin-Gruppe dagegen nur neun von 32 Patienten.
Vergleichbare Ergebnisse wurden auch in anderen Studien erzielt, zum Beispiel dann, wenn eine Radiochemotherapie mit Carboplatin oder Paclitaxel angewandt wurde. Amifosin reduzierte statistisch signifikant die Häufigkeit akuter und späterer Toxizität. Die Substanz wurde gut vertragen.
Diese Beobachtungen würden auch für Patienten gelten, die wegen eines Plattenepithelzellkarzinoms der Speicheldrüsen bestrahlt wurden, berichtete Dr. Pramila Rani Anne (Philadelphia, Pennsylvania). Die subkutane Injektion von Ethyol reduzierte die Häufigkeit von Xerostomien deutlich. Als unerwünschte Nebeneffekte kann Amifosin Übelkeit und Erbrechen induzieren. Daher ist die Gabe von Antiemetika eine nützliche Zusatzmedikation. Siegfried Hoc

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