ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2002Südindien: Kinderstube der Meeresschildkröten

VARIA: Reise / Sport / Freizeit

Südindien: Kinderstube der Meeresschildkröten

Dtsch Arztebl 2002; 99(33): A-2210 / B-1876 / C-1681

Barmwoldt, Joachim

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Die Tempel in Mahabalipuram, 60 Kilometer südlich von Chennai (Madras) gelegen, wurden vor 1 400 Jahren aus Granithügeln herausgemeißelt. Foto: Joachim Barmwoldt
Die Tempel in Mahabalipuram, 60 Kilometer südlich von Chennai (Madras) gelegen, wurden vor 1 400 Jahren aus Granithügeln herausgemeißelt. Foto: Joachim Barmwoldt
Fahl leuchtet die Mondsichel. Blätter von Kokospalmen rascheln im Wind. Wellen rollen an den breiten Strand, der sich allerdings an einer Stelle bewegt: Ruckartig wachsen kleine Erhebungen. Für Sekunden öffnen sich Spalten und Trichter. Rieselnde Sandkörner verschließen sie wieder. „Jetzt schlüpfen die Turtle-Babys, die kleinen Meeresschildkröten“, sagt Tharani Selvam. Der Biologe führt Gäste abends zu den Gelegen am Strand von Covelong Beach. Das Fischerdorf liegt an der Koromandelküste, etwa eine Stunde Autofahrt südlich von Chennai, dem früheren Madras.
Gäste aus Sri Lanka
„Meeresschildkröten schwimmen von Sri Lanka hierher“, berichtet Tharani Selvam. „Sie graben 20 Zentimeter tiefe Löcher in den Sand und legen bis zu 120 Eier hinein. Nach 45 bis 50 Tagen im heißen Sand schlüpfen die Schildkrötenbabys.“ Doch häufig komme es nicht dazu, weil Fischer die Eier ausgraben und verspeisen. „Deshalb bewachen wir die 45 Nester an unserem Strand und bringen die kleinen Schildkröten, sobald sie geschlüpft sind, ins Meer“, sagt Sarabjeet Sing, General Manager des Strandhotels Fisherman’s Cove in Covelong Beach. Seinen Gästen bietet er ein unvergessliches Naturerlebnis – die erste Stunde im Leben einer Meeresschildkröte.
„Huch, die fühlt sich ja weich an“, ruft Anja aus Hamburg. Die Urlauberin hält ein Turtle-Baby in ihrer Hand, setzt es behutsam in einen Pappkarton. Auch weitere Gäste helfen Tharani Selvam, die gerade geschlüpften Schildkröten aufzusammeln. Anschließend tragen sie die Kleinen gemeinsam über den Sand und setzen sie in den Wellen aus – gefräßige Strandkrabben und Krähen haben davon ebenso wenig bemerkt wie die Hotelgäste an der Gartenbar.
Im Strandhotel Fisherman’s Cove gibt es 88 Gästezimmer, davon 50 im weißen Hauptgebäude und 38 in Cottages. Die Häuschen mit Terrassen stehen unter Palmen und Casuarina-Nadelbäumen auf dem Gelände eines einstigen holländischen Forts. Einige Cottages bieten sogar vom Bett aus spektakuläre Aussichten auf den Golf von Bengalen. Rote Ziegelwege führen durch die weitläufige Gartenanlage, in deren Mitte ein blauer Frischwasserpool leuchtet. Zwei klimatisierte Restaurants, Konferenzräume sowie ein Business- und ein Ayurveda-Massagecenter sind bereits vorhanden.
Südindischer Alltag
Hupend rollt das Taxi vom Hotelgelände, auf einer schmalen Landstraße geht es in den südindischen Alltag. Reisfelder zu beiden Seiten, Männer in Wickelröcken stehen vor einem Kiosk, am Flussufer waschen Frauen Hemden und Hosen. Nach etwa zehn Minuten erreichen wir das Museumsdorf Dakshina Chitra. Die restaurierten Häuser stammen aus ganz Südindien, sind mindestens 100 Jahre alt und wurden vor dem Abriss gerettet. Besonders interessant ist das Seidenweberhaus: Neben dem hölzernen Webstuhl hängen 50 rot-gelbe Saris. Nur ein Tempel fehlt noch im Dorf. Dabei finden sich die Vorbilder für viele indische Tempel in Mahabalipuram, rund 30 Kilometer südlich des Museumsdorfs. Aus Granithügeln ließen Könige dort vor 1 400 Jahren Reliefs und Tempel herausmeißeln. Mahabalipuram ist noch immer ein Bildhauerzentrum. Kunsthandwerker, darunter auch Kinder, fertigen in kleinen Werkstätten Skulpturen für Tempel und Vorgärten in der Umgebung von Chennai.
Briten gründeten Chennai im Jahr 1632 als Hafen für den Gewürzexport. Baumwolle, Blumen und Produkte der florierenden indischen Computerindustrie sind seitdem hinzugekommen. Bedeutung haben auch die Kunstschulen und die Filmindustrie von Chennai erlangt. In den Studios werden vor allem Liebesdramen mit viel Musik gedreht. Kostproben davon lassen sich abends im indischen Fernsehen bewundern. Joachim Barmwoldt
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