ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2002Private Kran­ken­ver­siche­rung: Geheimniskrämerei

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Private Kran­ken­ver­siche­rung: Geheimniskrämerei

Dtsch Arztebl 2002; 99(34-35): A-2217 / B-1889 / C-1773

Clade, Harald

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LNSLNS Bei den privaten Kran­ken­ver­siche­rungen (PKV) und innerhalb des PKV-Verbandes (Köln) wird es vorerst keine Harmonisierung oder Selbstbeschränkungsbeschlüsse geben, um die seit Jahren „aus dem Ruder laufenden“ Abschlusskosten in den Griff zu bekommen und zumindest aktiv zu steuern. Die private Kran­ken­ver­siche­rung verbuchte im Jahr 2001 mit 2,01 Milliarden Euro Vertragsabschlusskosten (einschließlich der „Umdeckungen“) und Kosten für die Umstellung von Verträgen ein neues Rekordvolumen (Vorjahr: 1,92 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Die Gesamteinnahmen aus Beiträgen in der PKV lagen im vergangenen Jahr bei rund 19,75 Milliarden Euro; dies entspricht einem Anstieg von 6,5 Prozent (rund 920 Millionen Euro). Damit sind die Abschlusskosten der Privatassekuranz mit einem Anteil von rund 10 Prozent mehr als zweieinhalbmal so hoch wie die Verwaltungskostenquote (750 Millionen Euro beziehungsweise 3,8 Prozent der gesamten Beitragseinnahmen).
Bereits vor vier Jahren hatte das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (Bonn) angekündigt, hier müsse bald eingegriffen werden und notfalls der Gesetzgeber auf den Plan treten, um mit gesetzlichen Vorgaben kostendämpfend Abhilfe zu schaffen. Wiederholt hatte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt (SPD) erklärt, dass auch im PKV-Bereich notfalls gesetzliche Maßnahmen ergriffen werden müssten, wenn hier weiter Ausgabenschübe und Prämienerhöhungen an der Tagesordnung blieben. Für 2002 kündigte die Branche Prämienerhöhungen von durchschnittlich mehr als 10 Prozent an.
Die PKV macht ein großes Geheimnis um die Höhe der Abschlussprämien zugunsten der Versicherungsagenten und -makler, die zum Teil mehr als eine Jahresprämie betragen sollen. Die Vorstandsvorsitzenden großer PKV-Unternehmen hatten bereits vor Jahren unisono erklärt, hier werde es keine Abstimmung mit der Konkurrenz und keine Harmonisierung auf Verbandsebene geben. Sie argumentieren: Dann wäre dies das Aus des Wettbewerbs innerhalb der Privatassekuranz. Denn mit einer Offenlegung der Abschlussprämien würden auch die Vertriebswege transparent mit der Folge, dass Marktvorteile offen gelegt werden müssten . . .
Dr. rer. pol. Harald Clade
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