ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2002BSE: Bluttransfusionen als mögliche Auslöser

AKTUELL: Akut

BSE: Bluttransfusionen als mögliche Auslöser

Dtsch Arztebl 2002; 99(34-35): A-2221 / B-1893 / C-1777

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Transmissible spongioforme Enzephalopathien (TSE) wie BSE (bovine spongioforme Enzephalopathie) sind mit großer Wahrscheinlichkeit durch Bluttransfusionen übertragbar. Nachdem in einer schottischen Langzeitstudie ein zweites Schaf erkrankt ist, wagen die Forscher in einer Vorab-Internetmeldung zum Novemberheft des Journal of General Virology (www.socgenmicro biol.org.uk/JGVDirect/18580/18580ft. pdf) eine erste Risiko-Abschätzung. Vor zwei Jahren war es Forschern der IAH Neuropathogenesis Unit in Edinburgh gelungen, ein Schaf durch Bluttransfusionen mit BSE zu infizieren (Lancet 2000; 356: 999–1000). Das Tier war Teil einer Langzeitstudie an 24 Schafen. Kürzlich erkrankte ein zweites Schaf an BSE. Zwei weitere Tiere sollen an Symptomen der Erkrankung leiden. Damit wären vier Tiere infiziert, die Infektionsrate steigt auf 17 Prozent.

Diese Zahl sei realistisch, da in einer anderen Studie vier von 21 Schafen durch Bluttransfusionen mit Scrapie – einer anderen Form der TSE – angesteckt wurden. Nach Aussage von Hunter besteht ein „beträchtliches“ Risiko, dass eine TSE durch eine einzige Bluttransfusion übertragen werden kann. Darüber hinaus: Die Erkrankung wird vermutlich nicht nur über Leukozyten übertragen, wie man bisher annahm. Aus diesen Überlegungen heraus werden in Großbritannien alle Blutspenden von Leukozyten entfernt, bevor sie zur Transfusion freigegeben werden. Leukozytenkonzentrate werden aus dem Ausland importiert. In der Studie hatten sieben Schafe Leukozytenkonzentrate von infizierten Tieren erhalten. Keines dieser Tiere ist erkrankt. Alle Erkrankungen und Verdachtsfälle ereigneten sich bei den 17 Schafen, denen eine einzige Vollblutkonserve (500 ml) transfundiert wurde.

Nach einer Meldung des New Scientist überdenkt die britische Regierung ihre Richtlinien zur Transfusion von Blutprodukten. Allerdings: Bisher gebe es keinen Hinweis darauf, dass auch nur einer der 115 Patienten mit bestätigter neuer Variante der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (vCJD) und die weiteren zehn Patienten mit Symptomen der Erkrankung sich durch Blutkonserven infiziert haben. Bislang konnten 22 Personen ausfindig gemacht werden, die von acht späteren vCJD-Kranken Blutspenden erhalten hatten. Keiner zeigt bisher Symptome der Erkrankung. Rüdiger Meyer
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