ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2002Neue Bundesländer: Hochwasser bedroht Existenzen

POLITIK

Neue Bundesländer: Hochwasser bedroht Existenzen

Dtsch Arztebl 2002; 99(34-35): A-2226 / B-1896 / C-1780

Flintrop, Jens

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Ein Bild der Verwüstung: eine Straße in Glashütte, südlich von Dresden. Foto: ddp
Ein Bild der Verwüstung: eine Straße in Glashütte, südlich von Dresden. Foto: ddp
Zerstörte Praxen und evakuierte Krankenhäuser – auch zahlreiche Ärztinnen und Ärzte sind unmittelbar vom Jahrhunderthochwasser in Ostdeutschland betroffen.

Erst nach dem Abfluss des Wassers wird das Ausmaß der Verwüstungen allmählich deutlich: Viele Häuser sind zerstört oder beschädigt, in den Straßen liegt meterhoch der Schlamm. „Wir erleben die schwierigste Zeit seit Februar 1945“, sagt Dresdens Oberbürgermeister Ingolf Roßberg mit Blick auf die Zerstörung der sächsischen Landeshauptstadt im Zweiten Weltkrieg. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe (Montag, 19. August) sind in Sachsen 15 Menschen durch die Hochwasserkatastrophe ums Leben gekommen. Die Zahl der Flutopfer, die bei den Aufräumarbeiten entdeckt werden, wird voraussichtlich weiter steigen. Nach Angaben des sächsischen Innenministeriums gelten noch 26 Menschen als vermisst, 18 davon seit mehr als drei Tagen. Elbe und Weißeritz überfluteten etwa 15 Prozent des Stadtgebiets von Dresden, 35 000 Bewohner mussten ihre Häuser verlassen. Auch in Bayern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt hat das Jahrhunderthochwasser enorme Schäden angerichtet. Derweil laufen die Vorbereitungen für die erwartete Flutwelle in den norddeutschen Bundesländern entlang der Elbe auf Hochtouren. Tausende von Hilfskräften sind nach Angaben der Behörden in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein dabei, mit Sandsäcken die Deichkronen zu erhöhen. „Wir warten auf das Hochwasser“, sagte ein Polizeisprecher.
Ausnahmezustand: Patienten aus den Krankenhäusern in und um Dresden müssen in andere Städte verlegt werden. Foto: dpa
Ausnahmezustand: Patienten aus den Krankenhäusern in und um Dresden müssen in andere Städte verlegt werden. Foto: dpa
Krankenhäuser evakuiert
Wegen der Hochwassersituation mussten die drei innerstädtischen Krankenhäuser Dresdens mit zusammen mehr als 3 600 Patienten – darunter rund 170 Intensivpatienten – evakuiert werden (dazu auch nebenstehender Bericht). Auch das Dresdner Universitätsklinikum, in dem zu diesem Zeitpunkt etwa 1 200 Patienten medizinisch versorgt wurden, musste geräumt werden. Zunächst schickte die Krankenhausleitung am Abend des 14. August jene Patienten heim, die auf Operationen oder Untersuchungen warteten; später dann auch die, bei denen die Ärzte es eben noch verantworten konnten. Diese Gruppe machte rund ein Drittel der Patienten aus. Für alle anderen Patienten mussten Betten in anderen Krankenhäusern gefunden werden, wobei von Fall zu Fall sichergestellt werden musste, dass in den aufnehmenden Krankenhäusern auch die Kapazitäten für bestimmte Komplikationen oder sehr spezielle Leiden vorhanden waren. Der Transport der Patienten – insbesondere jener Intensivpatienten, die künstlich beatmet werden mussten – gelang auch mithilfe der Bundeswehr. Das Bundesverteidigungsministerium hatte mehrere Militärflugzeuge mit medizinischer Ausrüstung nach Dresden gesandt: einen Airbus A310 „Medivac“ (die Abkürzung steht für Medical Evacuation) und fünf Transall-Maschinen vom Typ C160. An Bord: 90 Ärzte und Sanitäter. Um Mitternacht des 14. Augusts startete der erste Airbus in Richtung Leipzig. Es folgten Flüge unter anderem nach Berlin und Köln.
Spendenkonten:
Hilfe für die Kollegen
Die Hochwasserkatastrophe in Sachsen hat auch die Existenzgrundlage zahlreicher Ärztinnen und Ärzte vernichtet. „Viele Ärzte haben nach der politischen Wende 1989 hohe Kreditbelastungen auf sich genommen, um eine eigene Praxis zu eröffnen. Das unvorstellbare Hochwasser hat zum Teil zehn Jahre berufliche Aufbauarbeit vernichtet“, schreibt die Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer in einer Pressemitteilung und bittet nicht betroffene Ärzte um Spenden. Jeder Beitrag sei eine soziale und humane Geste in einer schwierigen Situation und die Spende zudem steuerlich absetzbar. Die Bankverbindung: Deutsche Apotheker- und Ärztebank, BLZ: 100 906 03, Konto: 6000 444, Kennwort: „Ärzte in Not“.
Auch die Kassenärztliche Vereinigungen (KV) Sachsen und Sachsen-Anhalt haben bereits Spendenkonten eingerichtet. KV Sachsen: Deutsche Apotheker- und Ärztebank, BLZ: 100 906 03, Konto: 777 5555, Stichwort: „Ärzte helfen Ärzten“. KV Sachsen-Anhalt: Deutsche Apotheker- und Ärztebank, BLZ: 100 906 03, Konto: 020 3105067, Stichwort: „Hochwasser“.
Sächsische Ärzte, deren Praxiseinrichtungen durch die Hochwasserkatastrophe zerstört oder stark beschädigt wurden, können von der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer eine Soforthilfe in Höhe von 1 000 Euro aus einem eingerichteten Unterstützungsfonds erhalten. Betroffene Ärzte können sich telefonisch oder schriftlich unter Angabe des Namens, der Praxisanschrift mit Telefon und der Bankverbindung bei der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer melden. Daneben besteht die Möglichkeit, ein zinsloses Darlehen bis zu 2 500 Euro nach der Satzung der Sächsischen Ärztehilfe zu beantragen.
Aktuelle Informationen zur Hochwassersituation können im Internet unter www.aerzteblatt.de abgerufen werden. Jens Flintrop
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