ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2002Health Professional Card: Neue Kartengeneration

POLITIK

Health Professional Card: Neue Kartengeneration

Dtsch Arztebl 2002; 99(34-35): A-2228 / B-1898 / C-1782

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Die nächste Spezifikation des elektronischen Arztausweises steht kurz vor dem Abschluss.

Einer der wichtigsten Bausteine für eine sichere elektronische Kommunikationsinfrastruktur im Gesundheitswesen ist der elektronische Arztausweis als erste Ausprägung eines elektronischen Heilberufeausweises „Health Professional Card“ (HPC). Dieser personenbezogene Ausweis vereinigt neben Sichtausweis und Steckkartenfunktion drei Verschlüsselungsfunktionen, die in jeweils asymmetrischen Schlüsselpaaren realisiert sind: Authentifizierung des Nutzers (Identitätsnachweis), Transportverschlüsselung der Daten und elektronische Signatur nach dem Signaturgesetz. Fünf Projekte haben in der
Vergangenheit jeweils unterschiedliche Komponenten des elektronischen Arztausweises auf der Basis der Ende 1999 beschlossenen Spezifikation 1.1 erprobt (Textkasten). Das Feedback aus diesen Projekten sollte dazu dienen, eine überarbeitete Version 2.0 der Spezifikation zu entwickeln. So haben in Bayern beispielsweise rund 180 Teilnehmer das HCP-(Health Care Professional-)Protokoll erprobt. Die Evaluierung des Projekts läuft zurzeit über eine strukturierte Telefonumfrage bei den Teilnehmern. Dabei zeichnet sich ab, dass vor allem die Bedienung der Implementierung noch verbessert werden kann und technische Anbindungsprobleme behoben werden müssen.
Die von der Bundes­ärzte­kammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung eingerichtete Arbeitsgruppe „Elektronischer Arztausweis“ will die neue Spezifikation 2.0 bis September 2002 fertig stellen und den Anbietern von Chipkarten anschließend zur Evaluierung zur Verfügung stellen. Bis zum Jahresende soll sie von den ärztlichen Körperschaften beschlossen werden. Für die Version 2.0 wird voraussichtlich eine neue Kartengeneration notwendig, weil keine bisher von der Regulierungsbehörde anerkannte Karte alle Teile der neuen Spezifikation direkt erfüllen kann. So erfordert die Novellierung des Signaturgesetzes eine Änderung der PIN-Struktur zum Freischalten der Karte: Das Signaturschlüsselpaar muss über eine eigene PIN gesichert sein. Das bedeutet, zusätzlich zur PIN für die Authentifizierung und die Transportverschlüsselung ist eine zweite PIN für die qualifizierte Signatur erforderlich, die den Anwender auf die Rechtsverbindlichkeit der Aktion hinweist. Weil die Akkreditierung einer neuen Kartenversion nach der obersten Stufe des Signaturgesetzes circa ein Jahr dauert, können frühestens Anfang 2003 großflächige Pilotprojekte gestartet werden.
Eine weitere Neuerung der Version 2.0 ist voraussichtlich, dass das Grundkonzept einer Security Modul Card (SMC) – eine Institutionskarte – für die Apothekerschaft in die HPC-Spezifikation mit aufgenommen wird. Zusätzlich zu den Spezifikationen HPC-D (Arzt) und einer entsprechenden HPC-DE (Apotheker) würde es dann mit SMC-DE (Apotheken) eine nichtpersonenspezifische Institutionskarte geben, mit der Apotheken bestimmte Geschäftsprozesse abwickeln, beispielsweise Bestellungen unterschreiben können. Die Apothekenkarte würde im Unterschied zur personenbezogenen Apothekerkarte als Schlüsselpaar für die digitale Signatur nicht die qualifizierte Signatur verwenden, sondern eine „weichere“ Sicherheitsstufe – den „elektronischen Stempel“, der die Unversehrtheit eines Dokuments und seine Herkunft ausreichend beweist.
Grundsätzlich wäre eine Institutionskarte auch für die Arztpraxis denkbar und für einige Routineaufgaben der Praxis sinnvoll, etwa um bei Abwesenheit des Praxisinhabers verschlüsselte Post an die Praxis öffnen oder Materialbestellungen vornehmen zu können. Dazu haben sich die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), die die Arztpraxen zertifizieren müssten, jedoch noch nicht geäußert, obwohl mit dem kürzlich beschlossenen Verwaltungsverfahrensänderungsgesetz eine Rechtsgrundlage für eine solche „SMC-DE“ bestehen würde.
Gesetzliche Grundlage
Artikel 2 des Verwaltungsverfahrensänderungsgesetzes sieht eine Änderung des Ersten Buches Sozialgesetzbuch (SGB I) vor, der um § 36 a Elektronische Kommunikation ergänzt worden ist. Danach ist die Übermittlung elektronischer Dokumente zulässig, soweit der Empfänger hierfür einen Zugang eröffnet. Satz 2 besagt, dass eine durch Rechtsvorschrift angeordnete Schriftform durch die elektronische Form ersetzt werden kann, dadurch dass das Dokument mit der qualifizierten elektronischen Signatur nach dem Signaturgesetz versehen ist. Satz 4 bezieht diese Regelung auch auf die Träger der Sozialversicherung sowie auf die „Leistungserbringer nach dem Fünften . . . Buch und die von ihnen gebildeten Organisationen“. Das lässt sich auch als ein Auftrag an die KVen verstehen, für ihre Mitglieder elektronische Arztausweise vorzuhalten und die elektronische Kommunikation voranzutreiben. Eine wesentliche Anwendung ist beispielsweise, die Abrechnung mit den KVen künftig online zu ermöglichen. Heike E. Krüger-Brand
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