ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2002Hormonersatz: Über Jahrzehnte auf Treu und Glauben durchgeführt

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Hormonersatz: Über Jahrzehnte auf Treu und Glauben durchgeführt

Dtsch Arztebl 2002; 99(34-35): A-2245 / B-1913 / C-1797

Meyer, Frank P.

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LNSLNS WHI (Women’s Health Initiative) und HERS II (Heart and Estrogen/Progestin Replacement Study Follow-up) haben eindeutig gezeigt, dass eine flächendeckende Hormonersatztherapie für Frauen in der Postmenopause weder im Rahmen der Primärprävention noch im Rahmen der Sekundärprävention sinnvoll ist. Im Gegenteil, die Frauen, die die Kombination Konjugierte Estrogene (0,625 mg/d) plus Medroxyprogesteronacetat (2,5 mg/d), das entspricht dem Präparat Climopax®, erhielten, hatten durchweg einen etwas höheren Schaden als die Frauen in der Placebogruppe.
Wenn jetzt einige prominente deutsche Gynäkologen versuchen, beckmesserisch diese Befunde abzuwerten, ist das ein Skandal. Seit Jahrzehnten haben diese (industrieabhängigen?) „opinion leaders“ mit ihren Konsensuspapieren Ärzte und Patientinnen desinformiert. Seit Jahrzehnten wurden Frauen fehltherapiert, werden gesunde Frauen zu Patientinnen gestempelt – von den hohen, sinnlosen Kosten, die daraus der Solidargemeinschaft der Versicherten erwuchsen, ganz zu schweigen.
Man muss es ganz deutlich formulieren – diese Hormonersatztherapie wurde über Jahrzehnte lediglich auf Treu und Glauben durchgeführt. Es gab zu diesem Problem keine einzige valide klinische Studie.
Wenn jetzt von interessierter Seite behauptet wird, dass in Deutschland andere Hormonkombinationen üblich waren, dass die deutsche Klientel anders strukturiert sei als die in der Studie rekrutierten Frauen, dass die vorgelegten Daten nur eine eingeschränkte Relevanz besäßen usw., so werden die deutschen Ärzte und Patientinnen schon wieder fehlinformiert. Wer eine Hormonersatztherapie durchsetzen will – mit welcher Hormonkombination auch immer – muss positive Placebo-kontrollierte Studien vorlegen. Im Übrigen sind in diesem Sommer die Gynäkologen nicht die einzigen Ärzte, die sich vom Gewohnten trennen müssen. In der HPS (Heart Protection Study) wurde definitiv mit der Cholesterollegende aufgeräumt. Daran haben nicht nur die Lipidologen zu schlucken. Das Entsetzen reicht bis in die Apotheken, in denen wider besseres Wissen die Bevölkerung mit sinnlosen Cholesterolbestimmungen verängstigt wurde.
Prof. Dr. Frank P. Meyer, Magdeburger Straße 29, 39167 Groß Rodensleben
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