ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2002Hormonersatz: Mehr Skepsis tut Not

BRIEFE

Hormonersatz: Mehr Skepsis tut Not

Dtsch Arztebl 2002; 99(34-35): A-2246 / B-1914 / C-1798

Bayer, Karlheinz

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LNSLNS Das Muster ist immer nach demselben Schema gestrickt: Zuerst behauptet irgendeine Koryphäe etwas, dann werden Dogmen in die Welt gesetzt, es wird die ganze Autorität einer Fachgesellschaft dafür verwendet, dass diese Dogmen umgesetzt werden, und alle Kritik und Skepsis wird zu guter Letzt im Keim erstickt.
Mehr Skepsis tut Not. Alle Ergebnisse der WHI-Studie sind den Kritikern immer schon bekannt gewesen.
- Das Krebsrisiko unter Therapie ist höher und steht definitiv im Beipackzettel. Wider besseres Wissen verharmlost Prof. Teichmann diesen Fakt bis zu seiner Umkehr ins Gegenteil, man könne Krebse verhindern.
- Eine Steigerung kardiovaskulärer Schäden von der Thrombose über die Hypertonie bis zum Apoplex ist unter Hormontherapie schon immer beschrieben worden. Teichmann hingegen verklausuliert, Hormone könnten diese Risiken nur nicht mindern. In der Vergangenheit galten sie den Fachgesellschaften sogar als quasi kardioprotektive Maßnahme!
- Das Gewicht nimmt – auch wenn alle Fachgesellschaften dem widersprechen – um acht bis zehn kg zu, das wird aber abgestritten.
- Das Schärfste aber ist, es gibt keine wissenschaftlich belegte Studie, dass das Osteoporose-Risiko gesenkt wird. Trotzdem behaupten Teichmann und Co. dies gebetsmühlenhaft und funktionieren die gynäkologische Praxis am liebsten in eine orthopädische Beratungsstelle um.
Dieses Vorgehen ist skrupellos und nutzt schamlos die publizistische Macht der Fachgesellschaften aus. Zum Schaden der Patienten und zum alleinigen Vorteil der Pharmaindustrie und der Fachgesellschaften selbst.
Es ist Zeit, dass in Deutschland endlich begonnen wird zu forschen, ohne an der Leine der Interessengruppen geführt zu werden.
Dr. med. Karlheinz Bayer, Forsthausstraße 22, 77740 Bad Peterstal
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