ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2002Psychoanalyse: Wenig hilfreich

BRIEFE

Psychoanalyse: Wenig hilfreich

Dtsch Arztebl 2002; 99(34-35): A-2247 / B-1915 / C-1799

Schultze, Folkert

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LNSLNS Die Philosophie als Kronzeuge gegen Psychoanalyse und Psychotherapie aufzurufen scheint mir wenig hilfreich. Weder Kants „kategorischer Imperativ“ noch Morgensterns „kategorischer Komparativ“ (!) bringen Licht in die ach so fehlerhafte Konzeption des XX. Jahrhunderts. Als ob Freud, daheim hinterm sicheren Schreibtisch sitzend, die Psychoanalyse „konzipiert“ hätte, was ja eine lange Entwicklung gewesen ist. Es nutzt auch nichts, zwei Dinosaurier (sit venia verbo) der deutschen Psychiatrie zu reanimieren, K. Schneider, dessen unselige Psychopathenlehre (empirisch verifiziert? Na, na!), bereits von Schultz-Hencke ad absurdum geführt, inzwischen auf der Müllhalde wissenschaftlicher Irrtümer gelandet ist, und K. Jaspers, dessen gespaltenes Verhältnis zur Psychoanalyse zumindest Insidern gut bekannt ist.
Die unglaubliche Entwicklung, die Psychoanalyse und Psychotherapie im Laufe von hundert Jahren, entsprechend dem damals und heute weitgehend veränderten „Angebot“ an neurotischer Symptomatik, genommen haben, ist Ihnen offenbar entgangen. Denken Sie doch nur an die Erkenntnisse über die „Frühstörungen“, die Schneiders Psychopathen abgelöst haben. Das ist in zehn Zeilen nicht zu umreißen. Bedenken Sie auch, dass man Beethovens Größe nicht an seinen „Bonner Jugendsünden ohne Opuszahl“ misst.
Dr. med. Folkert Schultze, Wallstraße 16, 37154 Northeim
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