ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2002Menschenbild: Wertediskussion führen
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LNSLNS . . . Sehr geschickt, fundiert und nachvollziehbar begründet Nagel seine Meinung mit dem christlichen, entwicklungsgeschichtlichen, biologischen, wissenschaftlichen, physiologischen und philosophischen Menschenbild. Er zitiert dabei gekonnt die entsprechenden Experten. Ausgezeichnet gefallen mir seine Passagen über das menschliche Leben mit Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit. „Jeder Mensch und auch jedes Lebewesen hat ganz unabhängig von seiner Tüchtigkeit, seiner Gesundheit und Konkurrenzfähigkeit sein Lebensrecht.“ Trotzdem bedarf auch der freie Mensch sittlicher Gesetze. Deshalb sollte in der Gesellschaft wieder intensiver eine Wertediskussion geführt werden. Besonders wir Ärzte sollten uns an die entsprechenden Mandats- und Entscheidungsträger wenden – besonders jetzt vor der Wahl – und uns nicht nur als Leistungserbringer und Büttel der Krankenkassen degradieren lassen.
Denn nach Zerstörung der idealen Arzt-Patienten-Beziehung auf bisheriger Basis werden unsere Patienten mehr leiden und erdulden müssen. Außerdem werden die Kosten des Gesundheitswesens weiter steigen. Die so genannte Mechanisierung der ärztlichen Theorie und Praxis – siehe DRGs und hochgesponnene Leitlinien – bergen große Gefahren für jeden Einzelnen. Die Nächstenliebe und die Mitmenschlichkeit sollen geopfert werden. Wir sind mitten im Tanz um das „Goldene Kalb“ . . .
Dr. med. Hans-Jörg Wiedemann, Untere Bahnhofstraße 12,
91186 Büchenbach
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