ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2002Optimierte Analgesie: Schmerzmessung sollte Standard werden

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Optimierte Analgesie: Schmerzmessung sollte Standard werden

Dtsch Arztebl 2002; 99(34-35): A-2270 / B-1850 / C-1822

Arnheim, Katharina

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LNSLNS Einer finnischen Studie zufolge schätzen Ärzte den Schmerz ihrer Patienten häufig falsch ein. Dies gilt umso mehr, je stärker die Schmerzen sind. Bei Patienten, die ihre Schmerzen auf der
10 Zentimeter langen visuellen Analogskala (VAS) zwischen 8,1 und 10 Zentimeter einstuften (Grad 5 = stärkster vorstellbarer Schmerz), schätzten 44 Prozent der Hausärzte die Beschwerden um mindestens zwei Grade geringer ein (Mäntyselka et al.: British Journal of General Practice 2001; 51: 995).
Die fatale Konsequenz: Die Schmerztherapie ist oft unzureichend, sodass sich aus Akutschmerzen ein chronisches Schmerzsyndrom entwickeln kann. „Nur wer den Schmerz misst, kann ihn
auch richtig behandeln“, konstatierte Dr. Gerhard Müller-Schwefe (Oberursel); er forderte die routinemäßige Schmerzmessung in Praxen, Pflegeheimen und Krankenhäusern.
Die Wirklichkeit in Deutschland sieht jedoch anders aus, wie eine Befragung von 150 Allgemeinärzten und 100 Orthopäden mit hohem Anteil von Schmerzpatienten in ihrer Praxis verdeutlicht: Zwar kannten neun von zehn Ärzten die VAS, und drei Viertel hielten sie auch geeignet für eine akkurate Erfassung der Schmerzintensität. Dennoch setzten 43 Prozent der befragten Ärzte ein solches Instrument nicht ein. Immerhin hätten 42 Prozent der Ärzte angegeben, Schmerzskalen zur Therapiekontrolle zu verwenden, berichtete Prof. Bernd Tischer (Pullach).
Auch bei der Erstanamnese kommen diese Skalen äußerst selten zum Einsatz – nämlich nur bei einem knappen Viertel der befragten Ärzte (23 Prozent). Diese vertrauen eher auf das Gespräch mit dem Patienten über seine Schmerzgeschichte; auch körperliche Untersuchungen und bildgebende Verfahren – wie zum Beispiel Röntgen und die Computertomographie – haben einen hohen Stellenwert. Schmerzskalen werden jedoch nur selten eingesetzt.
„Die Schmerzmessung mithilfe von Skalen muss Standard werden, um Patienten besser helfen zu können“, forderte Dr. Marianne Koch, Präsidentin der Deutschen Schmerzliga. Daher starten diese Patientenvereinigung und das Schmerztherapeutische Kolloquium – Deutsche Schmerzgesellschaft bundesweit die Aufklärungsaktion „Schmerz messen“. Die Aktion wendet sich an Ärzte, Mitarbeiter von Heilberufen und Patienten mit dem Ziel, die Schmerzmessung mit der in zahlreichen Studien validierten VAS routinemäßig in Praxen anzuwenden.
Nach einer repräsentativen Umfrage von EMNID im Mai 2002 an mehr als 3 000 Personen ab 14 Jahren: Es leidet im Mittel fast ein Viertel der Deutschen (24 Prozent) an chronischen, das heißt dauerhaften oder immer wiederkehrenden und seit mindestens sechs Monaten bestehenden, Schmerzen, wobei Kopfschmerzen bei der Befragung ausdrücklich ausgeschlossen waren. Besonders Ältere sind betroffen: Bei den 50- bis 59-Jährigen sind es 29 Prozent, bei den über 60-Jährigen sogar 38 Prozent, die über dauerhafte Schmerzen klagen.
Dr. Katharina Arnheim
Informationen über die Initiative „Schmerz messen“, die von Mundipharma unterstützt wird, sind im Internet unter www.schmerzmessen.de abruf-
bar. Außerdem kann unter „Initiative Schmerz messen“ (Postfach 13 50, 65533 Limburg oder über Fax: 0 64 31/70 12 92) ein Aktionspaket angefordert werden. Es enthält Schmerzskalen und Schmerztagebücher, die Broschüre „Schmerz messen“ und ein Plakat für das Wartezimmer.
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