ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2002Katastrophenschutz: Kritik an interner Struktur

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Katastrophenschutz: Kritik an interner Struktur

Lenze, Susanne

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LNSLNS Nicht erst seitdem die Pegelstände an der Elbe sinken, wird Kritik an Logistik, Zuständigkeiten und Verantwortung der Einsatzkräfte im Katastrophenschutz geübt. „Es besteht ein dringender Bedarf, den Zivil- und Katastrophenschutz in Deutschland zu reformieren“, sagt der Leiter der Hamburger Feuerwehr, Dieter Farrenkopf, im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt. Die Aussage des Oberbrandmeisters basiert auf seinen Erfahrungen mit 452 Einsatzkräften und 27 Fahrzeugen beim Hochwassereinsatz in Dresden. Da von der Katastrophe mehrere Bundesländer betroffen sind, müsse der Bund den Ländern und Gemeinden die erforderlichen Verstärkungskompetenzen sowohl zum flächendeckenden Grundschutz als auch zum bundesweiten Spezialschutz zur Verfügung stellen. Es kann nach Meinung Farrenkopfs nicht sein, dass jede größere Ansammlung von Bundeswehrtruppen von einem General vor Ort und einer Vielzahl von Obristen geführt werde und die Gefahrenabwehr im Katastrophenfall ab Landkreisebene nur noch von Juristen organisiert werde.

Solange Einheiten von einzelnen Gemeinden via Internet direkt beim Ortsverband des Technischen Hilfswerks in Köln angefordert, dann in 300 Kilometer Entfernung eingesetzt würden, aber weder die beiden Länder noch der Bund davon Kenntnis hätten, erscheint dem Oberbranddirektor ein „zentraler Generalstab“ als zwingend geboten. Entsprechende Strukturen seien bei der Bundeswehr und NATO vorhanden und könnten übernommen werden.

Planung und Durchführung der nicht polizeilichen Gefahrenbekämpfung seien grundsätzlich dreistufig – auf der Ebene der Gemeinden, der Länder und des Bundes – aufzubauen und zu finanzieren, fordert Farrenkopf, der das Thema Katastrophenschutz auch im Beirat des Deutschen Städtetages vertritt. Die Zusammenarbeit mit „Nicht-Katastrophenschutz-Behörden“, zum Beispiel Amtsärzten, Amtsveterinären und Umweltbehörden, müsse enger gestaltet werden. „Die bisherige faktische Trennung von Zivil- und Katastrophenschutz muss überwunden werden“, sagt Farrenkopf. Die Aufgabe der Gefahrenbekämpfung sei vielmehr ganzheitlich wahrzunehmen. Susanne Lenze
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