ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2002Dienstleistung einmal anders

POLITIK: Die Glosse

Dienstleistung einmal anders

Bührer-Erz, Sabine

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LNSLNS Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege, als erste Absolventin der Weiterbildung zur Fachärztin für Druck, Papier und Bürokratie, kurz DPB, möchte ich mich vorstellen.
Welche(r) Kollege/in, ob niedergelassen oder im Krankenhaus tätig, fühlt sich noch der immer größer werdenden Flut von Formularen, Vorschriften und Richtlinien gewachsen? Allein Bestellung und Bevorratung der möglicherweise benötigten Formulare erfordert inzwischen fast eine Arbeitskraft. Die vorhandene Abrechnungsmöglichkeit (wem was in Rechnung zu stellen ist) ist eine Wissenschaft für sich. Wissen Sie, wie viele Feuerlöscher Ihre Praxis benötigt? Wartungsintervalle? Hängt der Hygieneplan aus? Nein? Wo besorgt man so einen Plan? Welche Zertifizierungsvorschriften? Sind die auszulegenden Praxisvorschriften auf dem neuesten Stand? Richtige Gewichtung der DRG? Gerätebuch vollständig? Tragen Ihre RR-Manschetten überhaupt noch die gültige Eichmarke? Wo ist das Prüfprotokoll für das BZ-Messgerät? (Ach, Sie wussten gar nicht, dass Sie verpflichtet sind, mithilfe einer Testlösung regelmäßig die Funktionsfähigkeit Ihres Gerätes zu prüfen und das Ergebnis zu dokumentieren?)
Liebe Frau Kollegin, lieber Herr Kollege, gehen Sie in sich: Haben Sie eine der Fragen mit „Nein“ beantwortet, oder sind Sie bei Ihren Überlegungen ins Stocken geraten, dann sind Sie ein Fall für mich. Die Trennung in einen administrativen (non patient care = npc) Sektor und einen kurativen war längst überfällig.
Nachdem ich mir beim 12 Jahre dauernden Spagat zwischen Patientenwohl und Bürokratenzufriedenheit beide Hüftgelenke ausgekugelt habe, habe ich mich dem npc-Segment zugewandt. Mit meinem Formulatorium, das alle nur erdenklichen Formulare vorrätig hält, fahre ich direkt zu Ihnen, und Sie laden Ihren ganzen Papierkrieg auf meinen mobilen Schreibtisch. Derzeit befindet sich dieser in einem Kleintransporter. Aber mit zunehmender Globalisierung und dem Vordringen von EU-Richtlinien, die keine deutsche Vorschrift ersetzen, sondern additiv hinzukommen, wird mein jetziges Formulatorium bald zu klein: Ich arbeite bereits am LKW-Führerschein.
Meine ausklappbare Satellitenantenne stellt sofort den Kontakt zum World Wide Web her, sodass ich die evidenzbasierten Richtlinien der „American Association for functional disorders of the right knee“ herunterladen kann.
Häufiger fallen zum Beispiel Versorgungsamtsanfragen an. Da sich Deutschland zu einem Land von Invaliden entwickelt und es kaum einen über 65-Jährigen gibt, der nicht an einer degenerativen Gelenkerkrankung oder Hypertonie leidet, bietet mein einmaliges Computersystem die Möglichkeit, Diagnosen und Textbausteine mittels Zufallsgenerator zu koppeln; es entsteht immer ein individuell erscheinender Befundbericht. Diese Vorgehensweise ist ökonomisch und trägt der minimalen Honorierung Rechnung. Alltäglichkeiten wie das korrekte Ausstellen eines Physiotherapieformulares einschließlich Formulierung der Zielsetzung sind mit dem Programm eine Lappalie.
Habe ich Sie neugierig gemacht, wie Sie Ihren Praxisalltag von administrativen Zeiträubern entlasten können? Gerne bin ich bereit, Ihnen mein Formulatorium vor Ort zu demonstrieren.
Einen Wermutstropfen beinhaltet dieses Programm: Mit floatenden Punkten, zahlbar nach einem halben Jahr, bin ich nicht zufrieden; Euro, zahlbar in Fristen, wie sie im reellen Geschäftsleben üblich sind, müssten es schon sein.
Ihre Dr. med. Sabine Bührer-Erz
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