ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2002Krebsregister – Nutzen-Schaden-Abwägung – Ziel: Intensivere Beteiligung aller Ärzte

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Krebsregister – Nutzen-Schaden-Abwägung – Ziel: Intensivere Beteiligung aller Ärzte

Altmann, Udo

zu dem Kommentar von Dr. med. Günter Link in Heft 15/2002
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LNSLNS . . . Ziel der bevölkerungsbezogenen Register, zu denen sich der Autor überwiegend äußert, ist nicht, differenzierte Aussagen zur Therapie von Krebserkrankungen zu leisten. Bei diesen Registern geht es um ein Monitoring des Krebsgeschehens in der Bevölkerung, das zeitliche Veränderungen und regionale Unterschiede in der Häufigkeit von Krebserkrankungen zunächst einmal überhaupt entdecken soll. In einem zweiten Schritt geht es dann um Hypothesenbildung zur Erklärung gefundener Unterschiede. Spätestens zur Überprüfung dieser Hypothesen sind in der Regel weitere Datenerhebungen erforderlich. Werden hierbei Erklärungen gefunden, so können die gewonnenen Erkenntnisse zum Beispiel zur Prävention genutzt werden. Ein weiterer Zweck epidemiologischer Krebsregister ist dann demnach auch die Beurteilung der Effektivität von präventiven und Früherkennungsmaßnahmen. Hierzu ist eine vollzählige Erfassung aller Tumorerkrankungen der betreffenden Region erforderlich. Die gesetzliche Grundlage hierfür bilden die Länderkrebsregistergesetze.
Ein Ziel der klinischen Register ist die Beurteilung der Qualität der Versorgung von Tumorpatienten. Hierzu sind natürlich wesentlich differenziertere Datensätze, und zwar sowohl was die Therapie als auch was die langfristige Beobachtung des Verlaufs von Erkrankungen betrifft, erforderlich. Welcher Primärtherapeut kann heute von sich sagen, dass er weiß, wie es seinen Patienten von vor fünf oder zehn Jahren geht? Hierbei geht es nicht nur um das reine Überleben, sondern auch um dieLebensqualität, die der Autor sehr richtig betont.
Der ausführlich diskutierte Aspekt der Nutzung des klinischen Krebsregisters zur Steuerung der Nachsorge ist nur eine Facette der Dienstleistungen, die klinische Register heute erbringen. Die Steuerung solcher Programme kann mit modernen Registerprogrammen wie dem Gießener Tumordokumentationssystem (GTDS) derartig individualisiert werden, dass vielfach von den starren Programmen, wie sie in der Vergangenheit häufig propagiert wurden, heute nicht mehr die Rede ist.
Die Onkologie krankt an vielen Stellen daran, dass immer wieder neue Methoden propagiert werden, deren Wirksamkeit unter Studienbedingungen zwar belegt sein mögen, deren (Aus-)Wirkungen in der Breite aber nur schlecht erfasst werden können. Es kann also nicht um weniger Krebsregister, sondern nur um eine intensivere Beteiligung aller Ärzte, auch solcher, die so genannte Außenseitermethoden anwenden, an den Registern gehen. In dieser Hinsicht dient gerade das klinische Krebsregister einer ganzheitlichen Betrachtung des Patienten. Klinische und epidemiologische Register stehen übrigens nicht in Konkurrenz zueinander, wie die eben dargelegte klare Trennung nahe legen mag, sondern arbeiten vielerorts gut zusammen und ergänzen sich in ihrem Methodenspektrum. Eine ineffektive Doppeldokumentation für beide Register sollte heute durch den Einsatz von elektronischem Datenaustausch nirgendwo mehr vorkommen.
Dr. med. Udo Altmann, Bereich Tumordokumentation, Institut für Medizinische Informatik, Heinrich-Buff-Ring 44, 35392 Gießen
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