ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2002Krebsregister – Nutzen-Schaden-Abwägung: Effektivität ist Gradmesser der Motivation

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Krebsregister – Nutzen-Schaden-Abwägung: Effektivität ist Gradmesser der Motivation

Dtsch Arztebl 2002; 99(36): A-2321 / B-1982 / C-1766

Wünsch, P. H.; Lissowsky, Mascha; Sauer, R.; Meyer, Martin

zu dem Kommentar von Dr. med. Günter Link in Heft 15/2002
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LNSLNS Bekanntermaßen initiierte das Bundeskrebsregistergesetz (1996 bis 1999) den Aufbau eines Netzes von Landeskrebsregistern, um ein umfassendes und kontinuierliches Monitoring der Krebserkrankungen, das heißt eine laufende vergleichende Analyse des Krebsgeschehens in allen Bundesländern, flächendeckend zu ermöglichen. Mit Auslaufen des Bundeskrebsregistergesetzes zum 31. Dezember 1999 ging die Verantwortung der Krebsregistrierung auf die Landesregierungen über, die durch die Verabschiedung entsprechender Länderkrebsregistergesetze den „Nutzen“ ihrer mündigen Bürger abwogen.
Zu den Aufgaben eines bevölkerungsbezogenen Krebsregisters gehört neben der Erhebung und Speicherung aller Formen von Krebserkrankungen die Beschreibung der zeitlichen Entwicklung der Krebsinzidenz, das heißt die Häufigkeit des Auftretens von Neuerkrankungen pro Jahr, differenziert nach Krebsform, Alter und Geschlecht. Zuverlässige Angaben zur Inzidenz sind eine unverzichtbare Voraussetzung bei der Beschreibung von Ausmaß und Art der Krebsbelastung in einer Bevölkerung. Sie sind die Basis für weiterführende epidemiologische Studien bei der Suche nach der Ursache der Krebsentstehung. Gerade vollzählige epidemiologische Krebsregister gewährleisten im Unterschied zu klinischen Krebsregistern, dass alle in einer definierten Bevölkerung aufgetretenen Erkrankungsfälle für die Ursachenforschung berücksichtigt werden können. Die Signalfunktion eines Krebsregisters ist kaum zu übersehen, lässt sich doch mit den Daten des bevölkerungsbezogenen Krebsregisters die Effektivität von Präventions- und Früherkennungsprogrammen bewerten . . . Nachsorgeprogramme und Überprüfungen effizienter Therapiemaßnahmen gehören nicht zum Aufgabenspektrum eines epidemiologischen Krebsregisters, sondern bleiben alleine eigenen klinischen Studien beziehungsweise Studien auf der Grundlage der von klinischen Krebsregistern erfassten Daten eines Behandlungszentrums vorbehalten.
Die Effektivität epidemiologischer als auch klinischer Krebsregister ist, trotz unterschiedlicher Aufgabenstellungen und Zielsetzungen, ein Gradmesser der Motivation aller Beteiligten – Patientinnen und Patienten wie Ärztinnen und Ärzten.
Prof. Dr. med. P. H. Wünsch, Dipl.-Biol. Mascha Lissowsky, Bevölkerungsbezogenes Krebsregister Bayern, Vertrauensstelle, Prof.-Ernst-Nathan-Straße 1, 90419 Nürnberg, Prof. Dr. med. R. Sauer, Dr. rer. hum. biol. Martin Meyer, Bevölkerungsbezogenes Krebsregister Bayern, Registerstelle, Carl-Thiersch-Straße 7, 91052 Erlangen
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