ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2002Fortschritt: Irritation

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Fortschritt: Irritation

Erkwoh, R.

Zu dem Beitrag „Grenzfragen zwischen Wissenschaft und Ethik: Die Bedrohung der Gattung ,Mensch‘“ von Prof. Dr. phil. Wolfgang Frühwald in Heft 19/2002:
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LNSLNS Anstelle der Bedrohung der Gattung „Mensch“ wird eine Irritation des Individuums „Mensch“ gesehen. Wie ist es, ein technisch geplanter, optimierter, ein gezüchteter Mensch zu sein? Die wesentlichen Attribute: über einen freien Willen verfügen zu können, in einem eigenen Leib zu leben, zu einem sozialen Kontext zu gehören, werden zusammengehalten im Anspruch auf eine autonome Lebensführung. Dieses Selbstbild eines autonomen Wesens wird gewonnen und abgesichert dadurch, dass der biologische Anfang (die Parallelisierung zweier haploider Chromosomensätze) mit einer Zufallsentscheidung der Natur anhebt. Kraft dieses Zufalls kann die biologische Determiniertheit physiologischer Aktivität soweit in den Hintergrund treten, dass Freiheit in der mentalen Selbstbestimmung verwirklicht wird. Der Austausch dieser Zufallsentscheidung durch einen wunschgesteuerten, technischen Produktionsprozess wird durch einen gezüchteten Menschen gedanklich vergegenwärtigt werden. Er wird sich des Artefakts in seinen biogenetischen Grundlagen bewusst werden, wodurch seine Freiheit in der Selbstbestimmung irritiert, wenn nicht infrage gestellt wird.
Priv.-Doz. Dr. med. R. Erkwoh, Lütticher Straße 132, 52074 Aachen
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