ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2002Nierentransplantation: Vaskuläre Risikofaktoren ausschalten

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Nierentransplantation: Vaskuläre Risikofaktoren ausschalten

Dtsch Arztebl 2002; 99(36): A-2356 / B-2034 / C-1886

Zylka-Menhorn, Vera

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Viele Dialysepatienten sind zur Regulierung ihres Phosphatspiegels auf die Einnahme von Phosphatbindern auf Calciumbasis angewiesen. Diese Medikation trägt wahrscheinlich zur Entwicklung von Calcifizierungen bei (Bild oben: Calcifizierung des Aortenbogens; Bild unten: Calcifizierung der Lunge). Nach einer Studie, veröffentlicht in Kidney International (Juni 2002), weisen 83 Prozent der Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz eine Verkalkung der Herzkranzgefäße in unterschiedlichen Stadien auf. Die Untersuchung hat außerdem ergeben, dass Patienten, die den calcium- und aluminiumfreien Phosphatbinder Renagel® (Sevelamer Hydrochlorid, GelTex Pharmaceuticals) eingenommen hatten, weniger koronare Verkalkungen entwickelten als solche, die mit Medikamenten auf Calciumbasis behandelt worden waren. Beide Arzneimittelgruppen führen zu einer vergleichbaren Senkung des Phosphatspiegels im Blut. Die durchschnittliche Renagel-Dosis betrug 6,5 g pro Tag (acht Tabletten zu je 800 mg).
Viele Dialysepatienten sind zur Regulierung ihres Phosphatspiegels auf die Einnahme von Phosphatbindern auf Calciumbasis angewiesen. Diese Medikation trägt wahrscheinlich zur Entwicklung von Calcifizierungen bei (Bild oben: Calcifizierung des Aortenbogens; Bild unten: Calcifizierung der Lunge). Nach einer Studie, veröffentlicht in Kidney International (Juni 2002), weisen 83 Prozent der Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz eine Verkalkung der Herzkranzgefäße in unterschiedlichen Stadien auf. Die Untersuchung hat außerdem ergeben, dass Patienten, die den calcium- und aluminiumfreien Phosphatbinder Renagel® (Sevelamer Hydrochlorid, GelTex Pharmaceuticals) eingenommen hatten, weniger koronare Verkalkungen entwickelten als solche, die mit Medikamenten auf Calciumbasis behandelt worden waren. Beide Arzneimittelgruppen führen zu einer vergleichbaren Senkung des Phosphatspiegels im Blut. Die durchschnittliche Renagel-Dosis betrug 6,5 g pro Tag (acht Tabletten zu je 800 mg).
Die Funktion einer transplantierten Niere nimmt nach einer bestimmten Zeit langsam ab und erlöscht nach etwa zehn bis zwölf Jahren (Transplantatnephropathie). Viele der Risikofaktoren, die an der Pathogenese chronischer Gefäßerkrankungen beteiligt sind, spielen auch bei der Entstehung der chronischen Transplantatnephropathie eine Rolle. Wesentliche Risikofaktoren für die Niere sind im Langzeitverlauf Hypertonie und Hyperlipidämie, die durch verschiedene Immunsuppressiva in unterschiedlichem Ausmaß induziert beziehungsweise verstärkt werden.
Tacrolimus hat nur geringen Einfluss auf die Lipidwerte
Wie Prof. Jürgen Klempnauer (Medizinische Hochschule Hannover, MHH) berichtete, ist mit den heute verfügbaren Immunsuppressiva eine risikoadaptierte Therapie möglich. So hat eine Studie der MHH gezeigt, dass sich eine Veränderung der Immunsuppression günstig auf das Lipidprofil auswirken kann (Radermacher et al.; 1999, 2002). Nach Umstellung der Basisimmunsuppression von Ciclosporin auf Tacrolimus (Prograf®) kam es zu einer signifikanten Abnahme von LDL- und Triglyceridspiegel.
Die Zielblutdruckwerte für Transplantierte sind nicht definiert – im Gegensatz zum Diabetiker, für den man Zielblutdruckwerte von 120/70 mm HG anstrebt. Ob diese Werte auch für die diabetische Nephropathie und für Transplantierte zutreffen, wird untersucht. Ebenso wird geprüft, ob es einen Zusammenhang zwischen Höhe des Blutdrucks und der Progression der Nephropathie gibt.
Eine aktuelle Studie mit 560 Patienten (Margreiter, 2002) hat gezeigt, dass unter Tacrolimus – bei besserer immunsuppressiver Wirkung – signifikant weniger Hypercholesterinämien und Hypertonien auftraten als unter Behandlung mit Ciclosporin-Mikroemulsion.
Toxische Wirkungen der Immunsuppressiva führen nach Angaben von Prof. Hermann Haller (Hannover) zu einer Proliferation der Gefäßwand und Störung der Endothelfunktion. Die Folge ist eine Verschlechterung der Durchblutung, ein Anstieg des Blutdrucks und eine Abnahme der Nierenfunktion. Dies gilt jedoch nicht für alle Immunsuppressiva gleichermaßen. So konnte in einer am Transplantationszentrum in Hannover durchgeführten Studie gezeigt werden, dass sich unter Behandlung mit Ciclosporin die Nierenfunktion verschlechterte, während es nach Umstellung der Immunsuppression auf Tacrolimus zu einer Verbesserung kam. Dieser Effekt resultiere, so Haller, aus der verbesserten Gefäßfunktion unter Therapie mit Tacrolimus, die zu einer Verringerung des Gefäßwiderstandes und zur Zunahme des renalen Blutflusses führt.
An der MHH wurde eine Methode entwickelt, mit der bei transplantierten Patienten mittels einer speziellen Färbemethode Endothelzellen im strömenden Blut nachgewiesen werden können. „Bei nierentransplantierten Patienten, die mit Ciclosporin behandelt werden, sind wesentlich mehr abgeschilferte Endothelzellen im zirkulierenden Blut nachweisbar als bei Patienten unter Behandlung mit Tacrolimus“, sagte Haller.
Dass die renalen Effekte direkt substanzspezifisch sind und nicht von Begleitmedikationen und -krankheiten abhängen, konnte in einer randomisierten Studie (Klein et al.; 2002) bestätigt werden, in der die Effekte einer Monotherapie von Ciclosporin und Tacrolimus auf Blutdruck und Nierenfunktion untersucht wurden. Während unter Therapie mit Tacrolimus die renalen hämodynamischen Parameter unbeeinflusst blieben, kam es unter Ciclosporin zu einer Zunahme des Gefäßwiderstands in der Niere, verbunden mit einer signifikanten Abnahme der glomerulären Filtrationsrate. zyl

Presseseminar „Nierentransplantation: Eine neue Niere schenkt neue Freiheit. Neue Erkenntnisse, aktuelle Trends“ der Fujisawa Deutschland GmbH in Hannover
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