ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2002Prothesen: Neue Kunsthand mit fünf Griffmöglichkeiten

VARIA: Technik

Prothesen: Neue Kunsthand mit fünf Griffmöglichkeiten

Dtsch Arztebl 2002; 99(36): A-2358 / B-2010 / C-1891

Schneider, Richard E.

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Die Kunsthand ist mit dem übergestreiften Handschuh (mit Fingernagel- Modellierung) bei flüchtigem Ansehen nicht von einer gewöhnlichen Hand zu unterscheiden. Foto: FZK
Die Kunsthand ist mit dem übergestreiften Handschuh (mit Fingernagel- Modellierung) bei flüchtigem Ansehen nicht von einer gewöhnlichen Hand zu unterscheiden. Foto: FZK
Die Hand ergreift und umschließt eine Flasche Limonade, hebt eine kleine Batterie vom Boden auf oder nimmt die flache Scheckkarte vom Tisch. Doch es ist keine gewöhnliche, sondern eine Kunsthand, von Wissenschaftlern des Instituts für angewandte Informatik des Forschungszentrums Karlsruhe (FZK) konstruiert. Fünf anstatt gewöhnlich einer speziellen Griffart erhielt diese Kunsthand vom FZK-Team um Stefan Schulz: den Zylindergriff (Flaschen, Aktenordner etc.), den Pinzettengriff (kleine Gegenstände), den Lateralgriff (flache Gegenstände) und den Hakengriff (Trage- und Haltefunktion) – schließlich noch das Ausstrecken eines Zeigefingers zum Tippen von Briefen auf Computern oder um ins Internet zu kommen. Mit der verbesserten Arbeitsfähigkeit dieser neuen Prothese geht ein realitätsnahes Aussehen einher: Die neue Kunsthand (860 g) ist deutlich leichter als ihre Vorgänger und mit dem übergestreiften Handschuh (mit Fingernägel-Modellierung) bei flüchtigem Ansehen von einer gewöhnlichen Hand nicht mehr zu unterscheiden.
„Den großen Schritt nach vorn“, erläutert Stefan Schulz, „bewirkt die Mikrofluid-Aktorik, bestehend aus einer Vielzahl einzelner Aktoren, die jeweils eine kleine hydraulische Kammer darstellen, die über einen Steuerkanal mit Flüssigkeit gefüllt werden. Kleinstventile, Sensoren und eine Druckerzeugungseinheit stellen weitere wesentliche technologische Details dieser neu konzipierten Handprothese dar. Wie bisher funktioniert die Stimulierung der Griffbewegungen durch Muskelelektrizität im Armstumpf, die über einen Mikroprozessor elektrische Signale an implantierte Sensoren in der Kunsthand weiterleitet. Selbst ein Händedruck mit dieser Prothese ist naturnah gestaltet, weil das Handschuhmaterial weich und nachgiebig wirkt.“
Bei den erzielten Fortschritten und Verbesserungen will man aber am FZK nicht stehen bleiben: Eine intelligentere, lernfähige Elektronik soll sich noch besser auf die Bedürfnisse und Gewohnheiten der Träger einstellen: Außerdem soll eine Feedback-Funktion in der Kunsthand einen Tastsinn simulieren. Ein erstes Modell wurde bereits einem Patienten in der Orthopädischen Klinik der Universität Heidelberg angepasst. Bis zur Serienproduktion werden aber noch ein bis zwei Jahre vergehen. Richard E. Schneider
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