ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2002Börsebius zu Lufthansa: Kein lahmer Vogel

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Lufthansa: Kein lahmer Vogel

Dtsch Arztebl 2002; 99(36): [144]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Für die Deutsche Lufthansa kommt es derzeit knüppeldick. Erst steigende Ölpreise mit herben Auswirkungen auf die Flugbenzinkosten, dann die Ängste um einen Militärschlag der Amerikaner gegen den Irak, unter dem natürlich alle Fluggesellschaften leiden, wie sich leicht denken lässt. Jetzt bringt auch noch die Pleite des US-Fliegers US-Airways die gesamte Branche unnötig unter Druck.
Und nun das noch. Da ein Unglück selten alleine kommt, wie man hier beeindruckend sieht, platzt jüngst die aktuelle Nachricht ins Kontor, dass United Airlines (UAL) als enger Lufthansa-Partner in der so genannten „Star Alliance“ auch ziemlich klamm sein soll. So tief der Aktienkurs mit unter 13 Euro (Hoch in 2002 war 28 Euro) auch schon abgestürzt sein soll, kann es da nicht nur eine Alternative geben? Also raus aus dem Wert, rette sich wer kann, als segensreiche Alternative sozusagen. Wirklich?
Bloß nicht. Nicht nur, weil es an der Börse eine durchaus ernst zu nehmende Spezies gibt: die Contrarians. Die machen immer das Gegenteil von dem, was die Leute erwarten, und sind damit auch oft genug erfolgreich. Dahinter steckt die wohl begründete (Kapitalmarkt-)Theorie, dass im Aktienkurs alles steckt, was die Börsenteilnehmer über das Unternehmen wissen.
Oder anders, alle schlechten Nachrichten sind „eskomptiert“, also eingearbeitet, und bei der ersten positiven Meldung (die ja fast nur noch kommen kann) setzt die Aktie zu einer Aufholjagd an. So weit die Theorie des „Buy on bad news“.
Persönlich kann ich dieser Argumentation gut folgen und finde sie, auch im Falle der Deutschen Lufthansa, durchaus plausibel. Die Sache macht aber nur dann wirklich Sinn, wenn die Kaufüberlegung fundamental unterfüttert ist.
Der Deutschen Lufthansa geht es nämlich richtig gut. Nur elf Monate nach den US-Terroranschlägen zeigt die Erfolgskurve des Kranichfliegers steil nach oben, und das trotz der vielfältigen Billigairlines, die dem Frankfurter Unternehmer aber eben nicht die lukrativen Strecken vermiesen. Den Lowcost-Carriern macht aber nun die Lufthansa selbst Konkurrenz, indem die Minderheitsbeteiligung Eurowings/Germanwings selbst als Billigflieger die anderen verdrängen soll.
Da die Lufthansa zu den weltbesten und ertragsstärksten Fluggesellschaften zählt, stufe ich die Aktie als klaren Kauf ein. Einsteigen und abheben, Kurs nach oben bitte. Verspätungen müssten aber geduldig hingenommen werden.
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