Supplement: Praxis Computer

Web-Services: Schlüssel zum Netz

Dtsch Arztebl 2002; 99(36): [20]

Krüger-Brand, Heike E.

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Auch wenn die praktische Umsetzung von Web-Services noch auf sich warten lässt, beschäftigen sich viele Unternehmen der Informationstechnologie- und der Medienbranche mit diesem Thema.
Unter dem Begriff „Web-Services“ werden seit einiger Zeit neue Konzepte für die Weiterentwicklung der vernetzten Umgebung diskutiert. Die zweite Generation des Internet-Computing soll auf der Grundlage XML-(Extensible Markup Language-) basierender Web-Services entwickelt werden. Das bedeutet: Software wird nicht mehr in großen Installationen an einem Ort vorgehalten, sondern nach dem Baukastenprinzip über das Internet dynamisch zusammengesetzt. Programme könnten auf diese Weise ohne Entwicklungsaufwand schnell mit Inhalten und Funktionen angereichert werden – fehlende Anwendungen werden dazu von vorhandenen Komponenten angefordert und als Web-Services integriert. Damit könnten künftig Firmen, aber auch Endanwender Applikationen, beispielsweise eine Office-Anwendung, als Web-Service beziehen oder mieten. Gleichzeitig könnten Web-Services auch sämtliche Arten von Rechnern miteinander verbinden – PCs, Handys und Organizer.
Damit sich die verschiedenen Softwarekomponenten „verstehen“, müssen jedoch zunächst gemeinsame Standards und Schnittstellen definiert werden. Bislang gibt es zwei konkurrierende Entwicklungen in diesem Bereich: Sun Microsystems mit der Entwicklungsumgebung „Java“ auf der einen und Microsoft mit der „.Net“-(„Dot-Net“-)Strategie auf der anderen Seite. Gegenwärtig haben die Software-Entwickler die Wahl zwischen der offenen Java-Plattform und dem Microsoft-System: Die Programmiersprache Java „versteht“ sich mit jedem Betriebssystem. Der Java-Programmcode ist frei zugänglich und kann von jedem Programmierer zur Weiterentwicklung der Programmiersprache genutzt werden. Auch für „.Net“ können Entwickler jede Programmiersprache benutzen, doch wird befürchtet, dass „.Net“-Programme letztlich nur mit dem Betriebssystem Windows laufen werden.
Machtfragen
Hinzu kommt, dass Web-Servi-
ces nicht nur die einfache
Verknüpfung von Pro-
grammen ermöglichen.
Über Anmeldedienste im Internet, bei denen sich Dienstenutzer bei Diensteanbietern registrieren müssen, könnten sie auch der Schlüssel zu den Internet-Nutzern weltweit werden. Zurzeit gibt es viele solcher Websites, die als Eingangstore das Netz erschließen. Mit den Web-Services könnte sich dies ändern, weil sie eine Technik darstellen, die zentrale Eingangstore ins Netz unterstützen. Ein Beispiel hierfür ist „Passport“, der zentrale Online-Identifizierungsdienst („Single-Sign-on-System) von Microsoft, der zwischen Nutzer und Web-Shops beziehungsweise Online-Anbietern vermittelt. Mit einer einzigen Anmeldung können registrierte Nutzer dabei auf die Dienste verschiedener Anbieter zugreifen, ohne sich bei jedem neu anmelden zu müssen. Ursprünglich sollten dabei sämtliche Kundendaten in einer zentralen Datenbank bei Microsoft gespeichert werden. Aufgrund von datenschutzrechtlichen Bedenken und Kundenprotesten hat der Konzern dieses Konzept inzwischen geändert: Der Umfang der gesammelten Kundendaten wurde verringert. Die Daten lagern nicht mehr sämtlich zentral beim Unternehmen, vielmehr können Drittfirmen eigene Passport-Datenbanken betreiben.
Damit hat sich Microsoft dem „Liberty Alliance Project“ angenähert, das die Firma Sun Microsystems als Reaktion auf Passport gegründet hatte. Diese Initiative (www.projectliberty.org) versucht ebenfalls, einen globalen Standard für die eindeutige Identifizierung von Verbrauchern im Internet zu etablieren, jedoch in Form eines „föderalen“ Anmeldesystems, bei dem personenbezogene Daten nicht an einem zentralen Ort gespeichert, sondern die Daten bei Bedarf verschlüsselt von einem Mitglied der Allianz zum nächsten weitergeleitet werden. Dadurch soll die Anonymität des Kunden gewahrt bleiben und ausgeschlossen werden, dass Dritte Kundenprofile über die besuchten Websites erstellen können. Inzwischen gibt es eine erste technische Spezifikation für die Login-Schnittstelle. Mitglieder des Liberty-Konsortiums sind so bekannte Firmen wie American Express, Mastercard, AOL Time Warner, Hewlett-Packard und Sony. Diese haben sich unter anderem dazu verpflichtet, Entwicklungen im Rahmen von Single-Sign-on allen beteiligten Firmen zur Verfügung zu stellen.
Die nächste Runde im Machtkampf hat bereits begonnen: Eine weitere Allianz hat sich unter dem Namen „Web Service Interoperability Organization“ (WS-I; www.ws-i.org) gebildet. Ihr gehören neben den Softwarehäusern Microsoft, SAP und Oracle auch Computerunternehmen wie IBM, Compaq und Toshiba an. Ziel der Initiative ist es, durch einheitliche Standards proprietäre Entwicklungen zu verhindern und die technischen Grundlagen für Web-Services zu schaffen, um die Internet-Evolution voranzutreiben. Die Firma Sun ist jedoch (noch) nicht dabei. Heike E. Krüger-Brand

Single-Sign-on
Ein Single-Sign-on-System ermöglicht es Internet-Nutzern, sich auf verschiedenen Websites einzuloggen, ohne dabei für jeden Dienst eine eigene Benutzerkennung eingeben zu müssen.
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