SUPPLEMENT: Praxis Computer

Open Source: GNUmed Befundarchiv

Hilbert, Sebastian

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Das Modul zum Zuordnen der eingescannten Befunde zum Patienten läuft unter GNU/Linux und MS Windows. Es kann separat auf einem PC installiert werden.
Das Modul zum Zuordnen der eingescannten Befunde zum Patienten läuft unter GNU/Linux und MS Windows. Es kann separat auf einem PC installiert werden.
Nahezu jede Praxissoftware bringt heute eine Lösung zum digitalen Archivieren der Patientendokumente mit. Zusammen mit dem freien Praxisprogramm „GNUmed“ entsteht das Befundarchivierungsprogramm „MedituxArchiv“.
Das Befundarchivierungsprogramm „MedituxArchiv“ ist speziell für eine allgemeinmedizinische Praxis entwickelt worden und wird dort bereits eingesetzt. Es gab genügend Gründe, die gegen den Einsatz einer kommerziellen Lösung sprachen: Bei kommerziellen, proprietären Produkten sind einmal eingespeicherte Daten bei einem Systemwechsel selten vollständig übertragbar. Eine Anbindung des alten Archivs an eine neu erworbene Praxis-EDV ist oft nicht möglich, fehlende Schnittstellen sind selten nachprogrammierbar.
Diese Probleme können durch den Einsatz offener Betriebssysteme und Praxissoftware, wie zum Beispiel GNU/Linux und GNUmed, vermieden werden. Der frei zugängliche Quelltext der Programme ermöglicht es, nötigenfalls individuelle Anpassungen und Änderungen am Praxisprogramm sowie am Befundarchivierungsprogramm vorzunehmen. Schnittstellen zu Drittprogrammen können problemlos geschaffen werden.
Genau dieser Ansatz wird durch GNUmed und das zugehörige Befundarchivierungsprogramm realisiert. Aufgrund der modularen Architektur kann das Befundarchiv sowohl eigenständig laufen als auch als so genanntes Plugin (Modul) in die Oberfläche von GNUmed integriert werden. Es passt sich dann nahtlos ein. Durch die Verwendung einer gemeinsamen Datenbank entfällt die doppelte Datenhaltung. Die Verwendung der freien Datenbank PostgreSQL ermöglicht auch Fremdprogrammen den Zugriff auf die in GNUmed/MedituxArchiv gespeicherten Daten.
Bei der Entwicklung des Befundarchivs wurde größter Wert auf einfache und effiziente Bedienbarkeit sowie Plattformunabhängigkeit gelegt. Das wird durch den Einsatz von Python als Programmiersprache und WxWindows als Benutzeroberfläche gewährleistet. Das Befundarchivierungsprogramm kann daher problemlos auf allen Betriebssystemen eingesetzt werden, die Python-Programme ausführen können. Dazu zählen Computer mit Microsoft Windows, Linux und Apple Macintosh. Da es sich jeweils um dasselbe Programm handelt, ist auch die Bedienung unabhängig vom Betriebssystem immer gleich. Das können bisher selbst kommerzielle Programme kaum bieten. Ursprünglich wurde Java als Grundlage für Teile des Befundarchivs verwendet. Der Einsatz von Python anstelle von Java führte aber zur Steigerung der Programmgeschwindigkeit und zur besseren Integration in die Praxissoftware GNUmed. So kann das Befundarchiv auch auf etwas älteren Rechnern eingesetzt werden. Eine textbasierte Oberfläche ist ebenfalls möglich.
Ziel war es, ein Programm zu entwickeln, dass möglichst effizient arbeitet. MedituxArchiv gliedert sich daher entsprechend dem Arbeitsablauf in drei Teilprogramme. Diese können entweder auf einem PC ausgeführt oder auf mehrere Computer verteilt werden. Der erste Schritt dient der Erfassung der Rohdaten mittels Scanner. Das zugehörige Programm läuft unter anderem unter GNU/Linux, Microsoft Windows und MacOS. Dieser Arbeitsschritt wird beim elektronischen Empfang von Telefaxen übersprungen. Ein zweites Programm übernimmt die Zuordnung der Rohdaten zum Patienten und die Erfassung essenzieller beschreibender Daten zum Dokument. Ein drittes Programm dient dem Anzeigen der erfassten Befunde.
Verteilt man die Einzelprogramme auf die in der Praxis stehenden Compu-ter, können mehrere Personen gleichzeitig und unabhängig voneinander die Digitalisierung der Papierbefunde durchführen. Außerdem müssen nicht an jedem Platz alle Teilprogramme installiert sein. Das Teilprogramm zum Erfassen der Daten mittels Scanner ist nur dort sinnvoll, wo auch ein Scanner steht. Der Arbeitsablauf sieht typischerweise aus wie folgt:
Teil 1: Erfassung
Ein Stapel Befunde wird fortlaufend eingescannt. Mehrseitige Dokumente behalten ihren inneren Zusammenhang. Das Scanprogramm folgt dabei einem logischen Ablauf.
Schritt 1: Einscannen der Blätter. Hierbei wird jeder Scanner mit TWAIN-Schnittstelle unter Microsoft Windows sowie jeder mit SANE-Schnittstelle unter GNU/Linux unterstützt.
Schritt 2: Ändern der Reihenfolge der Seiten (optional). Dieser Schritt ist nur notwendig, wenn die Seiten nicht in der natürlichen Reihenfolge eingescannt wurden.
Schritt 3: Ist ein Befund vollständig erfasst, wird dieser gespeichert. Auf dem Bildschirm erscheint dadurch ein eindeutiges Identifikationskürzel (Paginiernummer). Diese Kennung muss auf dem Befund vermerkt werden. Sie stellt den einfachsten Zusammenhang zwischen Papierbefund und digitalisierter Version her. Dann kann der nächste Befund erfasst werden.
Das Teilprogramm zum Scannen der Befunde läuft eigenständig unter GNU/Linux und MS Windows.
Das Teilprogramm zum Scannen der Befunde läuft eigenständig unter GNU/Linux und MS Windows.
Die Oberfläche des Programms ist speziell für diesen Arbeitsablauf optimiert und enthält nur die die wichtigsten Bedienelemente. Der Anwender kann auf den Einsatz einer Maus verzichten. Für eine spätere Version ist geplant, die Kennung als Barcode und im Klartext auf den Originalbefund zu drucken. Dafür kann die freie Software GNUBarcode verwendet werden.
Teil 2: Zuordnung
Dieses Programm dient der Zuordnung der gescannten Dokumente zu einem Patienten. Die meisten kommerziellen Praxisprogramme lassen für Fremdprogramme keinen direkten Zugriff auf die elektronische Karteikarte zu. Man kann aber die GDT/BDT-Schnittstelle nutzen, sofern das Praxisprogramm dies unterstützt. Beispielsweise kann das Zuordnungsprogramm an TurboMed als externes Programm angebunden werden. Bei Aufruf werden die Stammdaten des aktuellen Patienten als BDT-Datei übergeben und vom Zuordnungsprogramm gelesen. Dieser Umweg entfällt beim Einsatz des Praxisprogramms GNUmed. Hier könnte der zugeordnete Befund direkt in der elektronischen Kartei vermerkt werden.
Auch die Zuordnungssoftware folgt einem logischen Ablauf.
Schritt 1: Laden des Befunds
via Identifikationskürzel (Paginiernummer) auf dem Befund. Dieses tippt der Anwender in das entsprechende Feld ein. Künftig ist hier das Einlesen via Barcode-Scanner vorgesehen. Doch auch ohne Barcode-Scanner ist das Eintippen der Dokumentenkennung durch ein intelligentes Eingabefeld sehr komfortabel. Bei Eingabe einiger Zeichen werden automatisiert alle noch nicht zugeordneten Dokumente angeboten, deren Paginiernummer mit diesen Zeichen beginnt. Weiteres Tippen grenzt die Dokumentenauswahl immer mehr ein. Jederzeit kann das gewünschte Dokument aus der Liste gewählt werden. So reichen oft drei oder vier Zeichen aus, bis die Kennung eindeutig ist.
Schritt 2: Nach dem Laden der Befundseiten sind zu beschreibende Felder auszufüllen. Dazu zählen Erstellungsdatum des Dokuments, ein Kommentar, die Angabe des Befundtyps und ein Feld für beliebig lange Anmerkungen. Von übergeordneter Bedeutung ist die Angabe des Befundtyps. Diesen wählt der Anwender aus einer vorher festzulegenden Liste aus. Der Liste können jederzeit weitere Typen hinzugefügt werden. Diese relativ starre Vorgabe bietet später einen deutlich höheren Nutzwert bei der Auswahl von Dokumenten zur Ansicht.
Schritt 3: Sind alle Felder erfasst, werden diese gespeichert. Ein Skript überträgt im Hintergrund vollautomatisiert die indizierten Dokumente in die Datenbank. Dies kann bei großen Datenmengen auch erst nachts geschehen. Somit lässt sich eine zusätzliche Belastung des Netzwerks während des Praxisbetriebs vermeiden. Auf Wunsch wird es möglich sein, die Beweiskraft der eingescannten Dokumente mittels eines digitalen Notardienstes (zum Beispiel „GNotary“) zu erhöhen.
Teil 3: Nutzung
Das Befundanzeigeprogramm wird entweder direkt aus GNUmed oder aus einem herkömmlichen Praxisprogramm aufgerufen und zeigt alle Befunde des aktuellen Patienten als Baumstruktur an.
Die eigentliche Darstellung der Befundseiten wird an Programme des jeweiligen Betriebssystems delegiert. Dadurch ist das Anzeigeprogramm nicht auf bestimmmte Dateitypen beschränkt. Es lassen sich sämtliche Dateitypen anzeigen, für die das installierte Betriebssystem Anzeigeprogramme anbietet. Dies beinhaltet Grafik- ebenso wie Videodateien, Texte oder Audiodaten.
Die beim Indizieren erhobenen Metadaten ermöglichen einen effektiven Umgang mit den Befunden. Der Arzt kann Befunde nach Typen, Erstellungsdatum/-zeiträumen sowie nach Kommentaren filtern. Damit lassen sich zum Beispiel sämtliche Sonographiebefunde eines Patienten für einen bestimmten Zeitraum selektieren. Diese Funktionalität ist zurzeit allerdings noch in der Entwicklung. Es ist auch möglich, ausgewählte Dokumente zurück an das Praxisprogramm zu übergeben, beispielsweise zum Erstellen eines Arztbriefes.
Investition in die Zukunft
Bei MedituxArchiv ist der Quellcode einschließlich der Datenbankstruktur frei zugänglich. Dadurch sind nahezu beliebige Anpassungen möglich: Das Archiv kann von einer alten DOS-basierten zu einer neueren Praxis-EDV mitgenommen werden. Selbst bei einem kompletten Verlust der Praxis-EDV ist das Dokumentenarchiv eigenständig nutzbar. Schnittstellen zu Fremdprogrammen sind frei programmierbar. Individuelle Anpassungen und Änderungen am Befundarchivierugsprogramm sind möglich. Durch die Verfügbarkeit des Quellcodes ist der Anwender nicht an einen Hersteller oder Servicepartner gebunden. Beliebige, auch zukünftige Dateitypen sind speicherbar.
Selbst im Falle einer Beschädigung der Datenbank sind die Dokumente zu retten, sofern man diese noch extrahieren kann oder in irgendeiner Form als Datensicherung zur Verfügung hat. Minimale Metadaten (Name, Geburtsdatum, Erstellungsdatum und Referenznummer) sind dazu im Klartext auch innerhalb der Dokumentdateien abgelegt. Dadurch ist eine maschinelle Reindizierung des Datenbestandes möglich. Dies beseitigt selbstverständlich nicht die Notwendigkeit regelmäßiger Datensicherungen.
MedituxArchiv kann für sich stehend oder als Modul von GNUmed genutzt werden. Es ist ein internationales Projekt und daher mehrsprachig.
Sebastian Hilbert
Informationen: Sebastian Hilbert, Hauptstraße 30, 02999 Knappensee,
E-Mail: sebastian.hilbert@gmx.net


Vorteile von „MedituxArchiv“:
M Open-Source-Software und damit herstellerunabhängig
M optimiert für den Einsatz in der Hausarztpraxis
M weitgehend plattformunabhängig (der Datenbankserver sollte auf Linux oder BSD laufen)
M läuft gut auf Standard-Hardware
M vollständig und legal an eigene Bedürfnisse anpassbar
Zusatzinformationen:
Homepage: www.openmed.org
GNUmed: www.gnumed.org
Projekt GNU: www.gnu.org
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