ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: Praxis Computer 4/2002Websites für Ärzte und Psychologen: Ressourcen zur Psychotraumatologie

SUPPLEMENT: Praxis Computer

Websites für Ärzte und Psychologen: Ressourcen zur Psychotraumatologie

Dtsch Arztebl 2002; 99(36): [25]

Laszig, Parfen; Rieg, Kathy

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Der Hausarzt ist häufig die erste Anlaufstelle von traumatisierten Patienten. Kenntnisse über diese Störungsbilder und über Behandlungsmöglichkeiten sind für den Arzt wichtig, um diese Patienten optimal zu versorgen. Das Internet hält hierzu eine Fülle von Informationen bereit.
Das Wort „Trauma“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet Verletzung. Die Psychotraumatologie beschäftigt sich mit den Folgen, dem Verlauf und den Behandlungsmöglichkeiten seelischer Verletzungen und richtet ihre Aufmerksamkeit auf das „menschliche Individuum, wenn es in seinen elementaren Lebensbedürfnissen bedroht und verletzt, in seiner menschlichen Würde und Freiheit missachtet wird“ (vgl. 4, S. 18, Internet: www.kriminalportal.de/ratgeber/inhalt.2978.7573.html).
Neuere Ansätze der Psychotraumatologie (siehe 6, 7) widmen sich verstärkt der Art des Traumas – vor allem vor dem Hintergrund einer prognostischen Einschätzung. Maercker (5) schlägt die Unterteilung in verschiedene Dimensionen vor, die einerseits die Ursache des Traumas, andererseits den zeitlichen Verlauf der Traumatisierung berücksichtigt. Er unterscheidet zwischen Traumen, die im Rahmen eines sozialen Kontextes verursacht sind („man made disasters“), und solchen, die durch Katastrophen, Unfälle sowie berufsbedingt hervorgerufen sind. Darüber hinaus werden kurz dauernde traumatische Ereignisse (Typ-1) von länger dauernden, wiederholten Traumen (Typ-2) unterschieden. Eine Rolle spielt außerdem, ob die Person unmittelbar oder mittelbar von einem traumatischen Ereignis betroffen ist. Der Begriff der vicariierenden (stellvertretenden) Traumatisierung „wurde vor allem mit Bezug auf Traumahelfer entwickelt, um die emotionale Belastung zu bezeichnen, der diese oft ausgesetzt sind. Das gilt beispielsweise für Katastrophenhelfer, Personal auf der Intensivstation, Polizeibeamte und psychologische Heilberufe“ (siehe 4, Seite 125).
Differentialdiagnostisch werden nach der ICD-10-SGB-V die akute Belastungsreaktion (F43.0), die posttraumatische Belastungsstörung (F43.1), die Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung (F62.0) und die Dissoziation (F44) unterschieden. Eichenberg und Schmitt (2, 3) referieren (inter-)nationale Online-Ressourcen zu den Störungsbildern der akuten und posttraumatischen Belastungsstörung.
Informationen zur Psychotraumatologie im Internet lassen sich nach bestimmten Schwerpunkten gruppieren: Verbände und Organisationen, Traumazentren, Therapieverfahren und Weiterbildungsmöglichkeiten, Selbsthilfegruppierungen sowie Informationen zu den Störungsbildern.
Verbände und Organisationen
Die Websites der DeGPT (www.degpt.de) und des EMDR-Instituts Deutschland (www.emdrtherapie. de)
Die Websites der DeGPT (www.degpt.de) und des EMDR-Instituts Deutschland (www.emdrtherapie. de)
An deutschsprachigen Organisationen ist an erster Stelle die Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie e.V. (DeGPT, www.degpt.de) zu nennen. Zusätzlich zu den Informationen zum Verein und zu den Arbeitsgruppen (Akuttraumatisierung, Forensik, Forschung und andere) stellt die DeGPT weiterführende Links zu Tagungen, Publikation, Zeitschriften (Psychotraumatologie, Traumatology) und anderen Fachgesellschaften zur Verfügung.
Auf der Homepage der Bundesvereinigung SbE – Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen e.V. (www.sbe-ev.de) sind Hintergrundinformationen zur Vereinigung, Verweise auf Kurs- und Ausbildungsangebote, ein Materialdienst (Broschüren, Video, Tonträger; noch im Aufbau) sowie weiterführende Links und ein Download-Bereich mit Pressemitteilungen und Mitgliedsantrag abrufbar. Das SbE-Team München informiert über Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen mit Links zu Basiskriseninterventionsdiensten, Notrufnummern und Adressen von Beratungsstellen (www.stressbearbeitung.de). Die Bundesarbeitsgemeinschaft Prävention und Prophylaxe e. V. gibt unter der Adresse www.bundesarbeitsgemeinschaft.de/sexuelle_gewalt.htm Hinweise zu den Themen „sexualisierte Gewalt und sexueller Missbrauch“.
Auf internationaler Ebene sind die beiden Gesellschaften „International Society for the Study of Dissociation“ (ISSD, www.issd.org) und „International Society for Traumatic Stress Studies“ (ISTSS, www.istss.org) zu nennen. Die ISSD bietet auf ihren Seiten unter anderem „Guidelines for Treatment“ an und informiert ausführlich über Ausbildung, Konferenzen, Literatur und über das Journal of Trauma and Dissociation. Einen vergleichbaren Service findet der Nutzer auf der Website der ISTSS mit Verweisen auf das Journal of Traumatic Stress, dem Traumatic StressPoints Newsletter sowie verschiedenen Publikationen.
Traumazentren
Inzwischen gibt es auch in Deutschland eine wachsende Zahl von Traumazentren. Das Deutsche Institut für Psychotraumatologie stellt unter der Adresse www.psychotraumatologie.de Informationen für Betroffene, zum Beispiel nach Verkehrsunfällen, Gewaltverbrechen und Katastrophen, online. Fachleute können sich über Diagnose und Behandlung psychischer Traumatisierungen und über Weiterbildungsmöglichkeiten informieren. Weitere Links gibt es unter anderem zu den Themen Selbsthilfe, Fortbildung und Projekte.
Das Zentrum für Psychotraumatologie und Traumazentrierte Psychotherapie Niedersachsen (www.zentrum-
psychotrauma.de) konzentriert sich auf die Aus- und Fortbildung qualifizierter Therapeuten für die Behandlung posttraumatischer psychischer Störungen bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern (www.kinderpsychotraumatologie.de). Die Website enthält Links unter anderem zu einführenden Texten und zu Beschreibungen der Fortbildungsangebote.
Die Katastrophenforschungsstelle der Universität Kiel stellt unter www.
kfs.uni-kiel.de ihre Arbeitsschwerpunkte und einzelne Forschungsprojekte vor (Beispiele: posttraumatische Stressreaktionen, Klimaveränderungen, Katastrophenkultur, Schutzdatenatlas, Massen-Management) und ermöglicht einen Zugang zu ihrer Web-Bibliothek. Ferner sind Hinweise auf internationale Adressen und Datenbanken von Institutionen der Katastrophenhilfe und -forschung, Forschungsergebnisse, Konferenztipps abrufbar.
Weiterbildung
Im Bereich der Weiterbildung traumaspezifischer Therapie ist der Fachverband für Anwender der psychotherapeutischen Methode EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) unter www.emdria.de online. Die Website informiert über Vereinsziele und Mitgliedschaft, über die Methode des EMDR, über Ausbildungsstandards und weiterführende Literatur. Die Suche nach Therapeuten vor Ort unterstützt ein nach Postleitzahlen sortiertes Verzeichnis qualifizierter Anwender, Supervisoren, Trainer und Fortbildungsinstitute. Das EMDR-Institut Deutschland von Dr. med. Arne Hofmann (www.emdr-therapie.de) ist authorisierter Partner des EMDR-Instituts von Shapiro, USA. Informiert wird ebenfalls über Ausbildungsseminare, Publikationen und assoziierte Therapeuten.
Ein Einführungsseminar zur „Psychotraumatologie, Krisenintervention, Stressbewältigung“ für Rettungskräfte, (Not-)Ärzte und andere Traumahelfer bieten die Präsentationsfolien von Thomas Kammerer auf den Internet-Seiten der Krisenintervention München an (www.krisenintervention-muenchen.de/psycho). Di
Selbsthilfe-Seite unter http://dissozialisation.de
Selbsthilfe-Seite unter http://dissozialisation.de
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e Psychosomatische Klinik der Universität Heidelberg, Abteilung Psychosomatik, verweist in ihrem Internet-Angebot unter anderem auf ihren Kongress zum Thema „Aktuelle Entwicklungen in der Psychotraumatologie“
(www.med.uni-heidelberg.de/
psycho/psm/psm.htm). Weitere Seiten zum Traumakonzept und zu traumaspezifischen Forschungsaktivitäten der Abteilung sollen folgen.
Online-Therapie
Online-Therapie über das Internet wird in den Niederlanden mit dem – vorerst nur in niederländischer Sprache vorliegenden – Programm „Interapy“ von Prof. Dr. Alfred Lange an der Universität Amsterdam bei Patienten mit posttraumatischem Stress-Syndrom durchgeführt (www.interapy.nl). In Deutschland verbietet das Berufsrecht bislang eine Behandlung per Internet. Eine Zusammenstellung klinischer Behandlungsangebote in der Psychotraumatologie liefert die Seite von Karl Weisensee (www.trauma-response.com/traumaklinik.html).
Selbsthilfe
Informationen von Betroffenen für Betroffene zur Selbsthilfe stellt die Website DISS (Dissoziation und Multiple Persönlichkeit, http://dissoziation.de) zur Verfügung. Das Angebot enthält unter anderem Links zu Kliniken, Büchern, Imaginationsübungen, einen Fragebogen zur Selbsteinschätzung und eine Mailingliste zum direkten Erfahrungsaustausch. Vergleichbares – Listen von Fachadressen, wie Notrufnummern, Selbsthilfegruppen, Vereine, Kliniken und „Links für Survivors“ – hat für den Bereich des sexuellen Missbrauchs und Gewalt die Selbsthilfegruppe „Überlebender von Inzest und sexualisierter und anderer Gewalt“ aufgebaut (http://selbsthilfe.solution.
de/survivors).
Publikationen
Wissenschaftliche Publikationen zum Thema gibt es beim Thieme-Verlag (www.thieme.de/psychotrauma) in der Online-Zeitschrift „Psychotraumatologie“. Dort findet der Nutzer auch Kongresstermine, Rezensionen und ein Diskussionsforum. Ein Skript zur allgemeinen und differentiellen Psychotraumatologie sowie ein Verlaufsmodell der psychischen Traumatisierung stellt die Fachschaft Psychologie der Universität zu Köln unter www.uni-koeln.de/
phil-fak/fs-psych/serv_pro/skripte/klinische/trauma.rtf (Stand 12/1998) bereit.
Parfen Laszig, Kathy Rieg


Anschrift für die Verfasser: Dr. sc. hum. Dipl.-Psych. Parfen Laszig, Psychologischer Psychotherapeut (DGPT), Universitätsklinikum Heidelberg, Psychosomatische Klinik, Abteilung Psychosomatik, Thibautstraße 2, 69115 Heidelberg, Telefon: 0 62 21/56 58 72, E-Mail:
parfen_laszig@med.uni-heidelberg.de;
kathy_rieg@med.uni-heidelberg.de

Literatur
1. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung. AWMF online, AWMF-Leitlinien-Register 051/010 Entwicklungsstufe 1 + IDA, online: www.uni-duesseldorf.de/awmf
2. Eichenberg C, Schmitt M: Informationen über akute und posttraumatische Belastungsstörungen im Internet. Teil I: Wissenschaftliche Ressourcen. Psychomed 2001 a; 1: 53–57.
3. Eichenberg C, Schmitt M: Informationen über akute und posttraumatische Belastungsstörungen im Internet. Teil II: Angebote für Betroffene. Psychomed 2001 b; 2: 119–124.
4. Fischer G, Riedesser P: Lehrbuch der Psychotraumatologie. München: Reinhardt-Verlag, 2. Auflage, 1999.
5. Maercker A (Hrsg.): Therapie der Posttraumatischen Belastungsstörungen. Berlin: Springer-Verlag 1997.
6. Seidler GH: Aktuelle Therapieansätze in der Psychotraumatologie. Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie 2002; 48: 6–27.
7. Seidler GH, Hofmann A, Rost C: Der psychisch traumatisierte Patient in der ärztlichen Praxis. Dtsch Arztebl 2002; 99: A 295–299 [Heft 5].

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