SUPPLEMENT: Praxis Computer

Internet-Recherche: Websites zu HIV und Aids

Dtsch Arztebl 2002; 99(36): [28]

Eichenberg, Christiane

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Der Beitrag stellt eine kommentierte Auswahl empfehlenswerter Internet-Ressourcen zum Immunschwächevirus HIV und zur Aids-Erkrankung vor.
Nach Einschätzung des Aids-Zentrums im Robert Koch-Institut lebten Ende 2001 rund 38 000 mit HIV infizierte Menschen in Deutschland, darunter etwa 29 500 Männer und 8 300 Frauen. Die Zahl der HIV-infizierten Kinder liegt unter 400. Bei etwa 5 000 der HIV-Infizierten ist die Erkrankung bereits zum Vollbild Aids fortgeschritten. Vom Beginn der Epidemie Anfang der 80er-Jahre bis Ende 2001 haben sich in Deutschland circa 60 000 Menschen mit HIV infiziert, etwa 23 500 Menschen sind an Aids erkrankt und etwa 19 000 an den Folgen der HIV-Infektion verstorben1; zu Angaben über die weltweite Epidemiologie siehe die Informationen der UN-Aids (1).
Obwohl bei der Behandlung der HIV-Infektion in den letzten Jahren deutliche Fortschritte zu verzeichnen waren, ist eine echte Heilung bisher nicht möglich. Daher ist nach wie vor die wirksame Prävention von Neuinfektionen der wichtigste Faktor, um den zukünftigen Verlauf der HIV/Aids-Epidemie zu beeinflussen. Das Internet kann hier durch breite Aufklärung die präventive Arbeit ergänzen. Gibt man beispielsweise in die Suchmaschine Google (www.
google.de) den Suchbegriff „Aids“ ein, erhält man im deutschsprachigen Bereich des Internets rund 151 000 Hits, im weltweiten Netz sogar 7 560 000. Doch wie immer sagt die Quantität der Suchergebnisse nichts über deren Qualität aus. Gerade bei gesundheitsrelevanten Informationen erweist sich die dezentrale Struktur des Internets als Nachteil, da Inhalte ohne redaktionelle Kontrolle online gestellt werden können. Insbesondere für Laien sind so die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der Informationen kaum zu beurteilen. Eine Lösung könnten Qualitätssiegel von Fachkreisen sein, die die Inhalte der WWW-Seiten prüfen. Teilweise sind solche Projekte schon initiiert – ein Beispiel hierfür ist das Projekt „MedCERTAIN“ (2) –, jedoch noch nicht flächendeckend umgesetzt.
Dennoch gibt es im Internet auch eine Fülle von qualitativ hochwertigen Angeboten zum Immunschwächevirus HIV und zu Aids. Ärzte finden neben epidemiologischen Informationen aktuelle Beiträge aus der Forschung, Hinweise zur Behandlung und Kongresskalender. Ebenso sind viele Aufklärungsschriften für Laien online veröffentlicht, die der Arzt an Patienten weiterempfehlen kann, um so seinen Beitrag zur Prävention zu ergänzen oder erkrankten Personen netzbasierte Möglichkeiten zum Austausch mit Betroffenen anzubieten.
Abbildung 1: Web-Angebot der Deutschen Aids-Gesellschaft e. V. unter www.daignet. de Abbildung 2: Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.gib-aids-keinechance. de
Abbildung 1: Web-Angebot der Deutschen Aids-Gesellschaft e. V. unter www.daignet. de Abbildung 2: Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.gib-aids-keinechance. de
Im deutschsprachigen Bereich finden medizinische Fachleute beim WWW-Angebot der Deutschen Aids-Gesellschaft e.V. (3) eine Informationsplattform: Neben Kongressinformationen werden Hinweise zu bestimmten Behandlungssituationen gegeben. Ein Beispiel sind die Empfehlungen zur ärztlichen Diagnostik und Behandlung HIV-diskordanter Paare mit Kinderwunsch.
Wissenschaftliche Informationen stellt auch das Zentrum der Inneren Medizin, Schwerpunkt Infektiologie, des Klinikums der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt zur Verfügung (4). Auf der Website des Zentrums werden die medizinische Behandlung, die ambulante und stationäre Pflege, die psychosoziale Beratung für HIV/Aids-Patienten sowie Forschung und Therapiestudien thematisiert. Einen wissenschaftlichen Blick vermitteln ebenso die Internet-Ressourcen der Infektionsstation der Medizinischen Kernklinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (5). Dort wird eine Reihe klinischer Studien zur Verbesserung der Behandlung der HIV-Infektion durchgeführt. Im Vordergrund stehen die antiretrovirale Therapie und die therapiebegleitende Forschung. Darüber hinaus werden aktuelle Studien vorgestellt und weiterführende Links genannt. Zu Letzteren gehört beispielsweise das HIV.net (6) – ein Online-Angebot von einem Ärzteteam, das sich auf die Behandlung von HIV spezialisiert hat. Zusätzlich zu Kongressberichten, Informationen zur HIV-Therapie und häufig aktualisierten Nachrichten können Kapitel aus dem vergriffenen Buch „Aids 2000“ kostenfrei aus dem Internet heruntergeladen werden.
Im Bereich der internationalen Ressourcen ist AEGIS – Aids-Education-Information-System (7) – eine herausragende Adresse: AEGIS ist nach eigenen Angaben die größte englischsprachige Informationssammlung mit stündlich aktualisierten News, Adresslisten von Organisationen, Archiven zu zahlreichen Zeitschriften, Veröffentlichungen und Diskussionsforen. Eine Liste mit internationalen Fachzeitschriften zum Thema HIV/ Aids erhält man ebenfalls nach der Eingabe dieser Suchbegriffe bei medline (8).
Einen netzbasierten Austausch mit Experten auf der ganzen Welt ermöglichen die Newsgroups (englischsprachig) und (deutschsprachig).
Präventive Arbeit durch Aufklärung und Beratung der Bevölkerung leistet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (9): Die Website www.aidsberatung.de informiert über das Beratungstelefon diejenigen, die persönlichen oder beruflichen Kontakt zu HIV-Infizierten oder Aids-Kranken haben oder selbst Aufklärungs- und Informationsarbeit leisten. Fragen werden auch per E-Mail beantwortet. Darüber hinaus sind Broschüren online bestellbar zu Themen wie „Aids von A bis Z“, „Leben mit HIV – Wenn der HIV-Test positiv ist“, „HIV-Übertragung und Aids-Gefahr“, „Safer Sex . . . sicher“. Die Web-Adresse www.gib-aids-keine-chance.de informiert über den Weltaidstag und die Aidsaufklärungs-Kampagne; zusätzlich stehen die TV-, Radio- und Kinospots der BZgA zum Download bereit.
Die Homepage der Deutschen Aidshilfe e.V. (10), 1983 in Berlin gegründet und seit 1985 der bundesweite Dachverband von mittlerweile etwa 130 örtlichen Aids-Hilfen, berichtet über die eigene Arbeit, stellt ein Archiv der eigenen Veröffentlichungen zur Verfügung, gibt rechtliche Tipps, greift medizinische Informationen auf, nennt die Adressen sämtlicher Landesverbände und verweist auf spezifische Netzwerke von Erkrankten für Erkrankte. Hierzu gehören zum Beispiel „Frauen und Aids“, „PositHIV & Hetereo“ (11), „Angehörige & AIDS“ (12). Partner von Betroffenen können sich zudem in der Newsgroup gegenseitig informieren und unterstützen.
Entwicklungsländer, in denen HIV und Aids weitaus mehr verbreitet sind als in den Industriestaaten, können durch fehlende Netzanbindung und Zugangsmöglichkeiten bislang nicht von internetbasierten Präventionsangeboten und Beratung profitieren. So ist es nicht nur wichtig, das Internet in den hochentwickelten Industrieländern, in denen es bereits als Informationsmedium etabliert ist, weiterhin als Plattform zur Aufklärung zu nutzen und auszubauen, sondern auch in benachteiligten Ländern die Internet-Anbindung zu unterstützen, damit zentrale Stellen Zugriff auf Informationen haben und am aktuellen Wissensstand partizipieren können. Zusätzlich zu notwendigen Maßnahmen und Projekten vor Ort könnte dies dazu beitragen, dass die Prävention gefördert und die weitere Ausbreitung des Immunschwächevirus verhindert wird.
Christiane Eichenberg
Kontaktadresse: Dipl.-Psych. Christiane Eichenberg, Universität zu Köln, E-Mail: christiane@rz-online.de, Internet: www.christianeeichenberg.de


Internet-Adressen zu HIV und Aids
1 UN-Aids © www.unaids.org/epidemic_update/report_dec01/index.html
2 MedCERTAIN © www.medcertain.com
3 Deutsche AIDS-Gesellschaft e.V. (DAIG) © www.daignet.de
4 Zentrum der Inneren Medizin, Schwerpunkt Infektiologie des Klinikums der
Universität Frankfurt © www.kgu.de/ZIM/Infektio/haus681.htm
5 Infektionsstation der Medizinischen Kernklinik und Poliklinik des Univer-
sitätsklinikums Hamburg-Eppendorf © www.uke.uni-hamburg.de/kliniken/
medizinische_klinik/kernklinik/schwerpunkte/infektion.de.html
6 HIV.net © www.hiv.net
7 AEGIS – Aids-Education-Information-System © www.aegis.com
8 medline © www.medline.de
9 Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) © 
www.aidsberatung.de © www.gib-aids-keine-chance.de
10 Deutsche Aidshilfe e.V. © www.aidshilfe.de
11 PositHIV & Hetereo © http://hetero.aidshilfe.de
12 Angehörige & AIDS © http://angehoerige.aidshilfe.de
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