ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2002Krankenhäuser: Last der Codierung

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Krankenhäuser: Last der Codierung

Dtsch Arztebl 2002; 99(37): A-2369 / B-2025 / C-1901

Clade, Harald

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LNSLNS Mit der Einführung der diagnosebezogenen Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups) spätestens ab Januar 2004 wachsen auch die Verpflichtungen der Krankenhäuser zur umfassenden Dokumentation und zur Verschlüsselung von Haupt- und Nebendiagnosen. Der darauf entfallende Kraft- und Zeitaufwand beträgt voraussichtlich ein Vielfaches dessen, was das bisher ebenso simple wie verwaltungstechnisch einfache Krankenhausfinanzierungs- und Abrechnungssystem auf der Basis pauschalierter Tagespflegesätze, Sonderentgelte und Fallpauschalen beanspruchte. Darauf haben die Verbände der Krankenhausträger und der Ärzteschaft bereits frühzeitig hingewiesen und die Politik über den Zusatzpersonalbedarf informiert. Jedenfalls kann die zusätzliche Verwaltungsarbeit im Zusammenhang mit der ICD-10- und OPS-301-Verschlüsselung nicht bei unverändertem Personalschlüssel und bei Beibehaltung der viel zu eng bemessenen Klinikbudgets bewältigt werden.
Für die Diagnosenverschlüsselung und die Vorbereitung der Systemumstellung bei der Krankenhausfinanzierung sind intensive Schulungen, Fortbildungen und qualifiziertes Fachpersonal erforderlich. Für die strikte Einhaltung der gesetzlichen Auflagen ist in erster Linie der Krankenhausträger als verantwortlicher „Dienstherr“ zuständig. In der Regel können die leitenden Klinikärzte (Chefärzte) als Verantwortliche für die Erfüllung von vertraglichen Verpflichtungen im Falle der Nichterfüllung in begründeten Fällen auch von ihren Arbeitgebern zur Verantwortung gezogen werden. Sofern und soweit der Chefarzt seine Verpflichtung zur Durchführung der Diagnosenverschlüsselung nicht oder nicht „gehörig“ erfüllt, könnte er formalrechtlich hierfür verantwortlich sein. Nach einer juristischen Expertise ist der mit der Diagnosenverschlüsselung beauftragte Chefarzt allerdings nicht haftbar, falls die Diagnosenverschlüsselung lücken- und fehlerhaft ist. Denn die leitenden Klinikärzte und das von ihnen mit der Codierung beauftragte Fachpersonal sind ihrem Arbeitgeber ausschließlich für die Durchführung der Dienste, nicht jedoch zum Erfolg verpflichtet. Angestellte Krankenhausärzte vollbringen im Rahmen ihrer dienstlichen Tätigkeit im Krankenhaus keine Werkverträge.
Allerdings sind die Klinikärzte (insbesondere die leitenden) gut beraten, wenn sie die Klinikarbeitgeber rechtzeitig auf den Personalzusatzbedarf schriftlich hinweisen. Falls es bei einer personellen Unterbesetzung zu DRG-Codierfehlern kommt, die den Klinikträger betreffen, schadet dieser sich selbst, indirekt allerdings auch dem Personal, wenn es wegen Misserfolgs wegrationalisiert wird. Dr. rer. pol. Harald Clade
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