ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2002Schizophrenie: Vorzeitiger Ausbruch bei Cannabiskonsum

AKTUELL: Akut

Schizophrenie: Vorzeitiger Ausbruch bei Cannabiskonsum

Dtsch Arztebl 2002; 99(37): A-2373 / B-2029 / C-1905

Bühring, Petra

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LNSLNS Der Missbrauch illegaler Drogen, insbesondere von Cannabis, ist bereits zurzeit des Ausbruchs einer Schizophrenie doppelt so häufig zu beobachten wie bei gesunden Personen gleichen Alters und Geschlechts aus derselben Bevölkerung. Cannabismissbrauch kann zudem die Erkrankung vorzeitig auslösen. Zu diesem Ergebnis kommen Heinz Häfner et al., Arbeitsgruppe Schizophrenieforschung am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim, in einer Studie (Nervenheilkunde 2002; 4: 198–207). Die Autoren waren der Frage nachgegangen, ob Substanzmissbrauch Schizophrenie vorzeitig auslösen oder verursachen kann. Das Ersterkrankungsalter bei Schizophreniepatienten war deutlich niedriger bei denjenigen, die Drogen konsumierten, als bei Alkoholkonsumenten. Schizophreniepatienten ohne Substanzmissbrauch erkrankten dagegen wesentlich später. Der Beginn des Drogenmissbrauchs und der Erkrankung fiel signifikant häufig in den gleichen Monat. Die neurobiologisch plausible Hypothese, dass Cannabis psychotische Symptome auslöst, konnte – für die Autoren unerwartet – nicht bestätigt werden.

Cannabismissbrauch beeinflusst, der Studie zufolge, den mittelfristigen Verlauf (fünf Jahre nach Erstaufnahme) der Schizophrenie: Psychotische Symptome wie Halluzinationen, Wahnvorstellungen sowie Denkstörungen wurden signifikant verstärkt. Negative Symptome der Schizophrenie, wie Gleichgültigkeit und Abstumpfung, wurden hingegen vermindert. Die Autoren vermuten, dass einige der Kranken Cannabis und ähnliche psychoaktive Substanzen als „dysfunktionale Copingstrategie“ benutzen, um die durch die Krankheit verminderte Erlebnisfähigkeit und das unangenehme Gefühl der Abstumpfung zu mindern. Offenbar werde die Zunahme der psychotischen Symptome dafür in Kauf genommen.

Der mittelfristige Behandlungsverlauf und der soziale Verlauf werden durch den Cannabismissbrauch ungünstig beeinflusst, ebenfalls die Compliance mit antipsychotischen Medikamenten. Andere Studien belegten bereits die verminderte Compliance bei Rehabilitationsangeboten. Die Autoren regen an, darüber nachzudenken, ob die erhöhte Empfänglichkeit für den Missbrauch psychoaktiver Substanzen, um Erleben und Empfinden zu manipulieren, bereits vor Krankheitsausbruch vorhanden ist. Petra Bühring
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