ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2002Hausarzt: Falsche Richtung

BRIEFE

Hausarzt: Falsche Richtung

Dtsch Arztebl 2002; 99(37): A-2403 / B-2054 / C-1925

Broicher, Franz-Josef

Meinung zum Gesundheitswesen und speziell zum zu erwartenden Hausarztsystem:
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LNSLNS In den nächsten vier bis fünf Jahren wird Deutschlands Gesundheitswesen den restlosen Kahlschlag erfahren. Die Umsetzung des SGB V führt zu seinem totalen Niedergang. Der „historische Kompromiss“ bringt keine Wende, die Öko­nomi­sierung geht weiter, sie wird sogar erleichtert. Aus dem qualifizierten, bürgernahen, spezialisierten, besten Gesundheitswesen wird ein durchschnittliches europäisches Gesundheitswesen entstehen, ähnlich der „Pisastudie“ hinken wir hinterher. Ideale, Ethik, Respekt vor der Schöpfung verlieren an Wert. Politische Unvernunft und die Profilierungssucht einiger Kollegen (Kossow) verhindern die qualifizierte, bürgernahe Medizin. Den Hausarzt als Zugang zum „System“ zu machen ist der absolut falsche Weg! Er entmündigt den Patienten und beeinflusst die qualitative, speziale Facharztbetreuung im niedergelassenen Ärztebereich. Nach fünfjähriger Weiterbildung wird der Facharzt für „Innere und
Allgemein-Medizin“ nicht die heutige Medizin überblicken, um damit qualitativ in freier Praxis behandeln zu können. Die Kliniken werden gerufen werden, und das wird teuer!
Vor 40 bis 50 Jahren erschien es unmöglich, einen Allgemeinarzt mit Universalwissen zu qualifizieren, heute soll es aus ökonomischen und politischen Gründen möglich werden. Der Spartarif der „Axa-Colonia“ scheint hier Bände zu sprechen. Die Ausführung von Herrn Dr. Dirk Mecking (Berufsverband der Allgemeinärzte, Nordrhein) und von Herrn Dr. Schröder (Staatssekretär im BMG) sind unbegreiflich. Der deutsche Arzt ist kein „Jobber“, kein „Dienstleister“! Der „Hausarzt“ wird zum „Aktenverwalter“, „Befehlsempfänger“ und wird durch Leitlinien und Gesetze in seiner freien Entscheidung behindert. Dadurch verliert seine Arbeit an Qualität, denn dafür fehlt ihm die Zeit. Die neue Approbationsordnung führt uns in die falsche Richtung.
Dr. Dr. med. Franz-Josef Broicher, Bergisch Gladbacher Straße 1191, 51069 Köln
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